Kunst

"Das Tun kommt aus dem Sein allein."
Johann Hölzel

Hier findest Du mehr oder weniger gut abgeknipst einen chronologischen Ausschnitt aus meinen Arbeiten. Mit den jüngsten Beispielen geht's los, danach geht die Reise so richtig in die Vergangenheit:



"Der Künstler als Täter" Ein kurzes Manifest für die Freiheit der Kunst
(29.07.2017; 3:35 Min.)


https://youtu.be/DRIl7K1-ulA

In meiner Kunst spielen die Themen Freiheit des Einzelnen sowie Meinungs- und Kunstfreiheit eine zentrale Rolle. Daher hat es mir persönlich sehr viel bedeutet, mein Manifest für die Freiheit der Kunst im Rahmen der "Langen Nacht der Bücher" auf der documenta 14 in Marta Minujins "Parthenon der Bücher" verlesen zu dürfen, das aus zensierten Büchern errichtet wurde und selbst ein Monument der Kunstfreiheit darstellen will.

Die Veranstalter der documenta 14 wünschten einen thematisch passenden Beitrag, es waren aber neben Lesungen ebenso Gedichte und musikalische Beiträge erlaubt, von denen mir einige sehr gut gefallen haben. Auch wenn der Fokus der Veranstaltung auf "ehemals verbotenen" Büchern lag und dies (für manche) aus logischen Gründen heute zensierte Bücher ausschliessen würde (die damit wiederum bei dieser Veranstaltung zensiert werden würden), wurden mir im Gegensatz zu einigen Berichten in der Presse keinerlei Auflagen hinsichtlich meines Beitrags gemacht und mir gegenüber keinerlei Zensur ausgeübt.
 
Das Manifest wurde zuerst 2015 im Katalog der Ausstellung "Tatort" des Hamburger Kottwitzkellers veröffentlicht.

 

"Jotalambda - Neuordnung des Alphabets nach ästhetischen Gesichtspunkten"

(2017; Jotalambda und Grafik-Edition 60 x 80cm)

Wer Fächer wie Kunst, Medientheorie, Designtheorie, Kunstgeschichte, Kulturphilosophie und Ästhetik studiert oder lehrt, wird sich sehr häufig mit ganz grundlegenden Fragen konfrontiert sehen, z.B. der Entstehung von Schrift und Alphabet. Die exakten Ursprünge des heute von uns verwendeten Alphabets sind bislang nicht bekannt, wahrscheinlich entwickelte es sich aber aus Vorläufern, die ungefähr bis in das Jahr 1700 vor Christus zurückreichen. In unserem Kulturkreis war es Marcus Verrius Flaccus (um 10 v. Chr. geboren), der als Erster ein lateinisches Wörterbuch alphabetisch anordnete. Gegenwärtig findet die Norm DIN 5007-1 Anwendung, die das Sortieren von „Schriftzeichenfolgen“ vorschreibt. Wenn sich auch historisch nachvollziehen lässt, warum die von uns verwendeten Buchstaben so und nicht anders angeordnet sind, stellt sich auf grundlegender gestalterischer Ebene gleichwohl die Frage: Warum nicht anders?


Meiner Recherche zufolge gab es in der Vergangenheit immer wieder beachtenswerte alternative Anordnungen, vor allem, weil Anwender die Anordnung der Buchstaben auf ihrer Tastatur verbesserungsbedürftig fanden (z.B. in Italien und Frankreich), in Anlehnung an außereuropäische Sprachen das Alphabet neu sortierten (z.B. Sanskrit und Kana) oder es entstanden interessante formale Lösungen, etwa in Anlehnung an den Morse-Code, „start from both ends“, Homeomorphismen, Homotypien oder andere Anordnungen nach Ähnlichkeit der Buchstaben.


Die vorliegende Neuordnung erfolgte erstmals allein nach ästhetischen Kriterien, allerdings nicht nach einem „klassischen“ Kanon im Sinne von Harmonie, Proportion und dergleichen, sondern sie konzentriert sich auf den körperlichen Akt des Schreibens und fasst auch die jeweiligen Buchstaben als körperliche Gebilde auf, so wie ich es von meinem „Meister“ Franz Erhard Walther lernen durfte.


Das Jotalambda beginnt also mit einer grundlegenden, nicht weiter zu vereinfachenden Linie (Jota groß geschrieben) und folgt dann einer Entwicklungsreihe, die einer „Schreiblogik“ folgt, wie wir sie aus der Kalligraphie kennen. Einerseits lässt die Abfolge die folgenden Buchstaben komplexer erscheinen im Sinne von aus vorherigen Elementen zusammengesetzten Anordnungen, lässt aber andererseits auch durch formale, innere „Teilverwandtschaften“ der einzelnen Buchstaben einen Buchstaben an den anderen anschließbar werden, fast so, wie wir es bei „Verästelungen“ oder Wurzeln und teilweise auch dem „Morphing“ beobachten können. Es handelt sich also letztlich um eine formale Entwicklungslinie, die auf Teilähnlichkeiten basiert und so versucht unter Berücksichtigung des „Schreibflusses“ einen gestalterisch „logischen“ Ablauf der einzelnen Buchstaben herzustellen.
 



"Jetset"
(2017; Aktion und Grafik-Edition 60 x 80cm)


Es ist sehr geil (im Wortsinne) zum Kunst-Jetset zu gehören, zu wissen, in der "Champions-League" der Kunst mitzuspielen, dazu Ruhm, Ehre, Anerkennung, viele Menschen sehen deine Arbeiten und mit etwas Glück lohnt sich das auch finanziell sehr ordentlich. Es gibt andererseits aber auch das "Biennalen-Prekariat", international präsente Künstler, für die sich der Kunst-Jetset persönlich gesehen wohl "lohnt", die aber finanziell draufzahlen. Mehr als ein Galerist stöhnt über die Anzahl der internationalen Kunstmessen, auf denen er präsent sein soll - und die vertretenen Künstler sollen bitteschön stets neue, frische Hammer-Kunst "abliefern".

Doch worum geht es wirklich, wenn du Kunst machst? Wie wichtig ist dir der "Lärm der Welt", buddhistisch gesprochen? Ich muss in diesem Zusammenhang auch immer wieder an die Worte von Kool Savas denken, dem ich Ende des vergangenen Jahrtausends ausgerechnet am Karlsruher Zentrum für Kunst und Medientechnologie begegnet bin und der jüngst sagte: "Wie willst du ein Spiel gewinnen, wenn du zulässt, dass jemand anders die Regeln macht?"

Auf dieser Arbeit siehst du mich am Hamburger Flughafen, wie ich zu folgenden Biennalen, Triennalen und Kunstmessen NICHT fliege: Sharjah Biennale, Art Basel Hongkong, CI-Contemporary Istanbul, Dallas Art Fair, Athens Biennale, Taipeh Biennale, Sao Paolo Biennale, Poppositions Brüssel, Arakkale Biennale, Gwangju Biennale, Katmandu Triennale, World Art Dubai, Desert X Palm Springs, Art Toronto, Setouchi Biennale, Frieze London, Kochi-Muziris Biennale, Yinchuan Biennale, Honolulo Biennale, Miart Mailand, Tefaf Maastricht, Aichi Triennale, Biennale Cuenca, Manif D'Art Quèbec, Drawing Biennale London, Aichi Triennale, Artexpo New York, Aros Triennale Aarhus, Art Fair Tokyo.



"Let's walk with dreams"

(2017; Aktion und Videoinstallation; 5:37 Min.; Dimensionen variabel)


https://youtu.be/UAELGqbEJGc

Am 10. Mai 1933 fand in ganz Deutschland eine groß angelegte Bücherverbrennung statt, die durch diverse nationalsozialistische Organisationen durchgeführt wurde, allen voran die damalige "Deutsche Studentenschaft". Es war eine "Aktion wider den undeutschen Geist". Wie fast immer war das Wetter in Deutschland schlecht und wegen massiver Regenfälle musste die Aktion in vielen deutschen Städten auf andere Termine zwischen dem 12. und dem 19. Mai verlegt werden. Manche der Aktionen zogen 30 000 Teilnehmer an. In Hamburg fand die Aktion verspätet am 15. Mai statt. Meine deutlich kleinere Aktion richtet sich gegen den für mich ebenfalls totalitären "Geist der Unfreiheit". Ich verbrenne daher Überwachungskameras. Wie immer bei meiner Kunst ist Schmunzeln ausdrücklich erlaubt, auch wenn bei diesem Thema manchen sicherlich nicht danach zumute sein mag. Die Aktion heißt nach einem Song der von mir sehr geschätzten japanischen HipHop-Punk-Band "Dragon Ash", die ihrem Publikum immer wieder vorgemacht haben, wie sich selbst die dunkelsten Schatten der Vergangenheit in positive kreative Energie im Hier und Jetzt verwandeln lassen.



"Tankreds Liebesmobil"
(2017; Wohnmobil-Aktion)


Ab und zu stelle ich euch an ausgewählten Orten für begrenzte Zeit kostenlos ein Wohnmobil für eure Liebe zur Verfügung. Der Service ist freibleibend und kostenlos. Ein diskreter, unbeschwerter und unbeobachteter Ort, an dem ihr euch ausleben könnt - frei von Überwachung, Moral und Zensur. Das Wohnmobil ist schlicht eingerichtet, aber sauber und bietet alle wünschenswerten sanitären Einrichtungen.

Genauere Informationen und Tour-Termine findet ihr auf der Homepage des Liebesmobils. Traut euch!
 



"Fun"

(2017; Rauminstallation; Maße variabel)





Ich liebe es, mich häufiger mal mit den Alten Meistern zu beschäftigen - hier nun meine Version eines "Memento Mori": Ein leerstehendes Schaufenster bis zur Decke gefüllt mit Luftballons, die über mehrere Wochen die Passanten in ihrem Alltag begleiten, wobei die Passanten die Vergänglichkeit der Ballons bis zum völligen Verschrumpeln Tag für Tag erleben können.




"Tankred sagt:"
(2017; Plakataktion in Berlin-Mitte, Voßstraße, vom 19.09. - 29.09.2017)







In der Mitte der 1980er hatte ich in London das prägende Vergnügen, die Band "Frankie goes to Hollywood" live zu erleben. Im Merchandise der Band befanden sich wundervolle, in London damals auch gerne verulkte T-Shirts mit der Aufschrift "Frankie says: Relax" oder ähnliches. Rund um die Bundestagswahl versorge ich die Bundeshauptstadt mit verfemten Botschaften, die keiner wirklich hören will... in direkter Nähe der Vertretungen der Bundesländer und unweit des Bundestags.

Den Testlauf als Vorpremiere gab es in Glinde b. Hamburg:



https://youtu.be/Puh0F7iKRpk




"Mirror (Mia Gioconda)"

(2016-2017; Objekt: zerbrochener Spiegel, Schaufensterpuppe, Schuhe, Niqab, Khimar, Socken)









Die Arbeit ist eine dieser intuitiven "Visionen", die einfach plötzlich da waren, genauso wie die Video-Installation "Eyeball". Sie bleibt deshalb letztlich ein Rätsel für mich. Mich selbst hat die Arbeit erinnert an eine Begegnung mit Prof. Edward Wadie Said, von dem ich als Student viel über "Orientalismus", unsere Projektionen auf andere Kulturen und das Scheitern dieser Projektionen im realen Leben lernen durfte.



"Kreuzritter"

(2016; Digiprints auf Hohlkammerplatte, 90 x 120 cm)



Lucius Annäus Seneca tröstete seine Lieben (und wohl auch sich selbst) im Jahre 42 n. Chr. über seine Verbannung hinweg mit der Ansicht, daß „nichts jemals seinem Ursprungsort treu geblieben“ sei: „Die Menschheit ist ständig in Bewegung, und tagtäglich verändert sich etwas auf diesem weiten Erdenrund: Neue Städte werden gegründet, Völker mit neuen Namen tauchen auf, die ihre Vorgänger ausgelöscht oder sich durch sie verstärkt haben. […] Auch sonst wirst du kaum ein Land finden, das noch heute von seinen Ureinwohnern besiedelt wird. Alles ist miteinander vermischt und verwachsen. Einer folgte dem anderen. Was der eine leidenschaftlich erstrebte, war dem nächsten zuwider, und so mancher wurde gerade aus dem Land wieder vertrieben, das er anderen abgenommen hatte.“

Doch was bedeutet es, sich eine fremde Kultur „anzueignen“, wie modele ich mich innerlich um, um von einer neuen Kultur Besitz ergreifen zu können, wie werde ich Teil kultureller Traditionen, mit denen mich keine gemeinsame Vergangenheit verbindet? Lassen sich kulturelle Wurzeln „überstülpen“? Wie gehe ich (besonders, - aber nicht nur - als Wanderer zwischen verschiedenen Kulturen) mit der Erkenntnis um, daß die Tatsache, daß ich in eine bestimmte und nicht in eine andere Kultur hineingeboren wurde, nichts weiter ist als eine zufällige Laune der Fortuna? Wie kommt eine Kultur damit klar, daß die Bedeutungen ihrer Symbole sich durch Aneignung möglicherweise nicht nur verändern, sondern ihre Symbole am Ende gar auf ihre reine Materialität reduziert werden könnten?




"Gefühle/Feelings"
(2016; Objekt und Aktion)





Eine weitere Zen-inspirierte Arbeit: Hier kannst Du alle Gefühle "entsorgen", die Du immer schon einmal loswerden wolltest: Frustration, Angst, Ärger, Niedergeschlagenheit, Liebeskummer... aber vergiß bitte nicht Neid, Mißgunst und Hass mit in die Tonne zu hauen. Premiere hatte die Objektaktion am 23. Oktober 2016 an der Staatsgalerie Stuttgart.



Video "Palimpsest - Eine Studie zum kulturellen Gedächtnis der Gegenwart"

(2016; Videoinstallation; 0:41 Min.; Dimensionen variabel)


https://youtu.be/D_kqd8qBNPg

Produziert und veröffentlicht am 11.09.2016 - eine Studie über die unfreiwilligen Bilder im Kopf. Ein ganz herzlicher Dank geht an meine Assistenten, ohne die dieses Video nicht in dieser Form (und schon gar nicht zur richtigen Zeit) zustande gekommen wäre.



Video "Lost Moments"
(2014 - 2016; Videoinstallation; 5:52 Min.; Dimensionen variabel)


https://youtu.be/lENk7lYx0mE

Leider finde ich keine für mich wirklich zufriedenstellende Erklärung für dieses Video. Am ehesten ist es ein Zen-inspiriertes, ein wenig meditatives, vielleicht sogar "spirituelles" Video: Gibt es tatsächlich so etwas wie ein "Ortsgedächtnis"? Gibt es einen "Ort", an den unsere Erinnerungen wandern, wenn der zu erinnernde Moment vergangen ist? Sind die hier angehäuften individuellen, anonymen Momente, die für die Fotografierenden einst sehr bedeutsam waren, nun wirklich für immer verloren? Eine Einladung zum "Nachspüren"...



Video "Traccia"
(2016; Videoinstallation; 1:32 Min.; Dimensionen variabel)


https://www.youtube.com/watch?v=Y8pKWGg4kDs

In memoriam Piero Manzoni anlässlich seines Geburtstags.



Serie "The Oligs II"

(2016; Digiprints auf Hohlkammerplatte, 85 x 110 cm)



Diese zehnteilige Serie beschäftigt sich wie meine heute verschollene Serie "The Oligs" (die Oligarchen) aus der Mitte der 1980er-Jahre erneut mit den Themen Schwund der Demokratie, (In-)Transparenz, Korruption, den Verflechtungen von Politik, Wirtschaft, organisierter Kriminalität und der Rolle verschiedener traditioneller, aber politisch immer noch entscheidender "einkanaliger" Massenmedien wie Radio, überregionalen Zeitungen und Fernsehen in diesem Geflecht bzw. Machtgefüge. Wie die damals auf Leinwand gemalte, geäzte und gebrannte Serie (siehe weiter unten) nimmt auch diese Serie Motive aus den genannten Medien zum Ausgangspunkt. Erneut ist diese Serie (aufgrund der Beschränktheit des Künstlers) "eurozentristisch" im Sinne einer Fokussierung auf Deutschland, Frankreich und Italien, übersetzt die "analogen" Medieninhalte aber nicht wie seinerzeit in Malerei, sondern wandelt die ursprünglich analogen Bilder in digitale um. Mir geht es dabei nicht um investigativen Journalismus, Anspielungen auf Verschwörungstheorien oder Anklagen, mich interessiert als Künstler die unausgesprochene, schwer in Worte zu fassende menschliche, psychologische Seite dieser in der Regel der "Öffentlichkeit" unzugänglichen Vorgänge und ihrer meist öffentlichkeitsscheuen und der "Wählerschaft" normalerweise unbekannten Akteure. Die Bilder sind ein weiterer, vorläufiger wie "tastender" Versuch, ein Gefühl für diese menschliche Seite hinter den für gewöhnlich opaken Verflechtungen zu entwickeln und wenigstens emotional zur "Kenntlichkeit zu verfremden" - aber auch ein Gefühl für die Ohnmacht der "Öffentlichkeit" zu entfalten, die meist mit nichtssagenden medialen Inszenierungen "abgespeist" wird, die selbst in Form von "Skandalen" oder anderen "Spektakeln" die wirklichen Vorgänge mehr "verstellen" als "entbergen" und so letztlich seit der Ausführung der ersten "Oligs" verfestigt haben. 



"Das ARIADNE-Projekt"
(2016; Aktion mit Anwohnerbeteiligung)



Die internationale Ausschreibung der neuen Gesellschaft für bildende Kunst in Berlin fragte nach ortsbezogenen Arbeiten im Bereich der Berliner U-Bahnstationen auf den Linien U55 und U5 zwischen Hauptbahnhof und Cottbusser Platz. Die Arbeiten sollten ästhetische, stadträumliche sowie gesellschaftspolitische Verhältnisse zwischen Zentrum und Peripherie in Berlin bearbeiten und auf die damit verknüpften urbanistischen, kulturellen und ökonomischen Entwicklungen eingehen, u.a. der Großprojekte „Verlängerung U5“ in Mitte und „Internationale Gartenausstellung (IGA) 2017“ in Berlin-Hellersdorf. Zentrales Aktionsfeld des Wettbewerbs sollte die weitläufige Grünfläche am U-Bahnhof Cottbusser Platz werden, die als „Place Internationale“ für neue Formen von städtischen Aushandlungsprozessen gedacht ist.

Mein "Ariadne-Projekt" will keine zeitgenössischen Diskurse illustrieren, sondern auf bewusst naive wie poetische Weise das Spannungsfeld zwischen „Mitte“ und „Pampa“ auf verschiedenen Ebenen konkret sinnlich und körperlich erfahrbar machen. Soziale Segregation findet heute vor allem geographisch statt - sage mir wo du wohnst und ich sage dir, wer du bist. Soziologischen Studien zufolge (e.g. G. Schulze: Die Erlebnisgesellschaft) ist das Verhältnis der verschiedenen sozialen Milieus untereinander vor allem durch Unkenntnis und gegenseitiges Unverständnis gekennzeichnet. Das Projekt geht davon aus, dass die beste Methode, eine Stadt oder ein Stadtviertel und deren (andere) Menschen kennen zu lernen darin besteht, sich zu Fuß in diesen Stadträumen zu bewegen und in persönlichen, körperlichen Kontakt zu treten.

Um den Unterschied zwischen “Mitte” und “Pampa” konkret sinnlich und persönlich erfahrbar zu machen, die Wandlungen von einem Quartier zum nächsten spürbar werden zu lassen und um auf direkte Weise auf die soziale wie kommunikationsgestörte Kluft zwischen “Mitte” und “Pampa” hinzuweisen, soll im Rahmen dieses Projekts der U-Bahnhof Cottbusser Platz mittels eines locker ausgelegten, 1.5 Millimeter starken roten Fadens mit dem Berliner Hauptbahnhof verbunden werden. Der Faden wird auf einem ca. 16 Kilometer langen oberirdischen Fußmarsch abgerollt, wozu alle interessierten Hellersdorfer/innen herzlich eingeladen sind. Dabei wird spürbar, was die Entfernung zwischen Zentrum und Peripherie jenseits aller Diskurse wirklich bedeutet und dass die inhaltliche Entfernung undenkbar wäre ohne die reale körperlichen Getrenntheit und Entfernung zwischen den Akteuren.

Der Marsch ist ein Weg, sich die Entfernung zwischen Zentrum und Peripherie sowohl körperlich als auch symbolisch anzueignen. Der im Alltag lästige Faden, der nunmehr Zentrum und Peripherie verbindet, weist durch seine Anwesenheit besonders deutlich auf die sonst übliche Unverbundenheit von “Pampa” und “Mitte” hin. Dass hier in einem naiven Akt beide Bereiche miteinander auf solch simple Weise verbunden werden, soll auch ein Hinweis darauf sein, dass sich durch entsprechend motivierte konkrete Handlungen die Kluft einfacher als vielleicht angenommen überwinden lässt - durch konkrete zwischenmenschliche Interaktion. Zu betonen ist dabei, dass der Faden Zentrum und Peripherie in beide Richtungen verbindet. Wer in “Mitte” den Faden vorfindet, wird auf die “Pampa” zurückverwiesen. Der Akt der Verbindung als körperliche Handlung gibt den “Ausgeschlossenen” gleichzeitig ein Gefühl der Selbstwirklichkeit und zeigt, dass sie der ihnen zugewiesenen Rolle nicht hilflos ausgeliefert sind und auf kreative Weise aus eigener Kraft diese Rolle ändern können. Damit einher geht für die Beteiligten die konkrete, leibhaftige Erfahrung der Überwindbarkeit der Distanz von Zentrum und Peripherie. Der Ariadnefaden schafft so tatsächlich eine physische Verbindung, auch wenn er zunächst bloß für Verblüffung sorgen mag. Da der Faden nur 1,5 Millimeter stark ist, kann eine Behinderung von Personen ausgeschlossen werden, da er z.B. bei Stolpergefahr einfach zerreißt. Das Projekt erhält dadurch einen gewollt ephemeren Charakter: Die Überwindung der Distanz ist stets nur eine vorübergehende und muss immer wieder neu geleistet werden.

Leider wurde das Projekt nicht durch die auslobende Institution realisiert, war aber vom 8. Juli bis 10. September 2016 im Rahmen der Ausstellung der internationalen Einreichungen zum offenen Kunstwettbewerb "Mitte in der Pampa" - Kunst im Untergrund 2016/17 in der neuen Gesellschaft für bildende Kunst in der "Station urbaner Kulturen" in Berlin zu sehen.



"Zahlen/Numbers"

(2016; Plakataktion; Plakate 59,4 x 84,1 cm)


Der Verlust von Demokratie und die Ohnmacht gegenüber dem Konglomerat aus Wirtschaft und Politik schmerzen. Einerseits. Andererseits: Zahlen nerven, controlling ist öde... 47 Mrd., 2,5 Mio., +2,75% - was soll das alles bedeuten? Staatsverschuldung, die x-ten Rettungskredite, Flüchtlingsstatistiken, Renten- oder Diätenerhöhungen, Subventionen oder Subventionskürzungen oder geht es um den nächsten Kultur-Etat?

Wir überschauen die Kontexte nicht mehr, die Details sind uns zu anstrengend, wir haben keine Zeit und/oder keine Motivation. Also rauschen die Zahlen an uns vorbei und wir bleiben ahnungslos - ganz so wie es dem (meist unfreiwilligen) Publikum dieser Aktion ergeht. Doch was an uns vorbeirauscht sind nicht bloß Zahlen.

Premiere hatte die Aktion im Mai 2016 auf der Hamburger Kunstmeile und am Horner Kreisel in Hamburg.





Video "Kunst ist ausverkauft"
(2016; Videoinstallation; 4:54 Min.; Dimensionen variabel)


https://www.youtube.com/watch?v=YXYyxDTDxKM

Das Ende des Ausverkaufs der Kunst.



Video "Störungs-Moirè"
(2016; Videoinstallation; 3:08 Min.; Dimensionen variabel)


https://youtu.be/1YcdR4iwJDg

Eine neue Unter-Folge meiner Serie "Zen-TV". Das Video zeigt die Besonderheiten eines analogen Mediums mit Hilfe eines digitalen: Der "Schatten" des Kathodenstrahls wird erst durch die Dokumentation mittels einer Digitalkamera sichtbar. Erst die längere meditative Betrachtung des Störungsbildes macht diese medialen Eigenheiten sichtbar, andererseits verdeutlicht eine längere Betrachtung des Störungsbildes, wie entspannend und sammelnd das Betrachten eines Störungsbildes im Vergleich zum "Normalfernsehen" ist.



Edition "Ruhm"
(2016; Medaille mit 30 mm Durchmesser; Kupfer versilbert und poliert; 1. Auflage 100 Stück)



Ruhm ist die Währung der Kunstwelt. Oft ist der Ruhm des Künstlers oder der Künstlerin wichtiger als die Qualität der Arbeiten. Hier kannst Du Ruhm für bare Münze nehmen und Dir in die Tasche stecken, probieren, ob Dir der Preis des Ruhms zu hoch ist, die andere Seite der Medaille betrachten und dem Unterschied zwischen erkauftem und erworbenem Ruhm nachspüren. Mir gibst Du im Gegenzug die Gelegenheit, Ruhm zu versilbern und in klingende Münze zu verwandeln.

Trailer zur Edition: https://www.youtube.com/watch?v=jVjFEj6Elu4

Erhältlich im Shop.



Künstlerisches Forschungsprojekt „Ohne Ohren - mobile abhörsichere Räume“

(Seit 2016; mobiler abhörsicherer Raum je 3 x 3 x 2 Meter)

Real life-Experiment zu der Fragestellung: Wie viel Freiheit erträgt der öffentliche Raum heute? Wie viel Freiheit ist im öffentlichen Raum heute möglich? Wie gehen wir mit Ungewissheit um?

Das Experiment: Ein mobiler, abhörsicherer Raum ohne Fenster in den Abmessungen 3 x 3 x 2 Meter wird für einen vorher festgelegten Zeitraum in einem häufig frequentierten, öffentlichen Raum aufgestellt. Der Raum ist nicht verschließbar und durch eine Tür frei rund um die Uhr zugänglich. Der Raum ist innen vollkommen leer und besteht nur aus Boden, Decke, Wänden, einer Tür sowie einer batteriebetriebenen LED-Lampe.

Der Künstler und/oder seine Assistenten beobachten im Sinne einer anthropologischen Feldforschung die Verwendung des Raumes ohne in die Verwendung des Raumes einzugreifen und versuchen gegenüber den Nutzern des Raumes nicht wahrnehmbar zu bleiben. Die Beobachtungen werden schriftlich festgehalten, so weit dies von außen möglich ist. Bei Bedarf werden die Batterien der LED-Lampe erneuert, währen der Raum nicht genutzt wird. In regelmäßigen Abständen überprüft ein professionelles "Sweep-Team" den Raum, um sicher zu stellen, dass sich keine Abhöreinrichtungen ("Wanzen") darin befinden. Eine Überwachung des Raumes, insbesondere des Innenraumes findet nicht statt. Die Beobachter stellen abschließend Hypothesen über die Verwendung des Raumes auf, versuchen diese zu belegen, gegebenenfalls zu klassifizieren und statistisch auszuwerten. Eventuelle zeitliche Beobachtungslücken, in denen keine Beobachter vor Ort sind oder sein können, werden bei der Auswertung und Hypothesenbildung berücksichtigt.

Unabhängig davon, ob sich ein oder mehrere mobile abhörsichere Räume im öffentlichen städtischen Raum realisieren lassen, werden alle Schritte auf dem Weg zur Umsetzung des Projektes, die Reaktionen darauf sowie die Erfahrungen beim Versuch der Umsetzung des Projekts dokumentiert.

Es werden so kaleidoskopartige Einzelansichten der sozialen Wirklichkeit wahrnehmbar, aus denen alle, die sich mit dem Projekt befassen, einen eigenen Eindruck der dargestellten Realität gewinnen können. Bereits diese Reaktionen und Erfahrungen erlauben aufschlußreiche, zum Teil neue Erkenntnisse zum Thema Überwachung, z.B. dass bei Hamburgs führendem Vermieter von Büro-Containern grundsätzlich keine abhörsicheren Räume erhältlich sind. Diese Erkenntnisse weisen mitunter weitreichende Implikationen auf.

Inwiefern „forscht“ hier die Kunst:

Es handelt sich um ein künstlerisches Konzept im Sinne einer aktionsmäßigen Intervention im öffentlichen Raum. Ein künstlerischer Ansatz verfügt über die Freiheit, gängige wissenschaftliche Rationalitätskriterien anzunehmen oder auch nicht anzunehmen, sie zu verwerfen, zu erweitern oder zu verändern.

Die künstlerische Freiheit wird hier genutzt, um auszuloten, wie viel Freiheit im Sinne von Ungewissheit aufgrund von fehlenden Informationen im Zusammenhang mit einem rund um die Uhr frei zugänglichen Raum, der nicht einsehbar ist und nicht abgehört werden kann, heute im öffentlichen Raum aushaltbar und gesellschaftlich wie institutionell akzeptabel ist.

Auf erkenntnistheoretischer Ebene geht es darum, bewusst zu machen, wie Erkenntnisprozesse wissenschaftlicher, kreativer und intuitiver Art ablaufen in einer Situation, in der situationsbedingt die für eine sichere Erkenntnislage notwendigen Informationen nicht in ausreichendem Umfang zur Verfügung stehen, wie wir also auf verschiedenen erkenntnistheoretischen Ebenen mit dem Problem der Ungewissheit umgehen, wenn wir an dieser Ungewissheit nichts ändern können.

Die Kunst geht insofern „holistischer“ als holistische wissenschaftliche Ansätze vor, als hier auch in besonderem Maße Ethik (politischer Aspekt der Kunstaktion; kritisches Hinterfragen und Bewußtmachen gesellschaftlicher Zustände und Situationen), Ästhetik (der abhörsichere Raum als sinnlich gestaltetes Objekt mit besonderen Erlebnisqualitäten), Psychologie (Vermittlung und Spürbarmachen besonderer außergewöhnlicher Erlebnisse und Erfahrungen) und Kommunikation (in verschiedenen Medien und vor Ort) gleichermaßen Berücksichtigung finden sowie verschiedene Milieus, Berufs- und Interessengruppen miteinander in Beziehung und in Kontakt gesetzt werden.

Das Ergebnis ist eine künstlerische, politikwissenschaftliche, soziologische und psychologische Bestandsaufnahme zum Thema Öffentlichkeit und Überwachung mit Mitteln der Kunst:

Wie zum Beispiel reagieren die Menschen vor Ort auf diesen Raum? Wie wird der mobile, abhörsichere Raum de facto genutzt? Gibt es hierfür tatsächlich einen Bedarf? Welche Vermutungen hinsichtlich des Verhaltens der Nutzer bestehen seitens des Künstlers und eventuell weiterer Partner bei der Umsetzung des Projekts, seitens der Stadtverwaltung, der Polizei, der Presse? Wird das Projekt aufgrund dieser - eventuell unausgesprochenen - Annahmen womöglich untersagt? Welche Vermutungen hat das Publikum? Wer wird zum Nutzer des Raumes und warum?

Ein wichtiges Ergebnis wäre - wie in der Wissenschaft, z.B. der Medizin - sogar ein möglicher negativer Befund, d.h. es könnte sich herausstellen, dass das Publikum möglicherweise keinen Bedarf hat an einem mobilen, abhörsicheren Raum. Auch dies würde wichtige (hier psychologische) Rückschlüsse auf das Verhältnis des Publikums zum Thema Überwachung zulassen.

Die zahlreichen verschiedenartige Stichproben liefern so einen stets vorläufigen und immer wieder neu zu prüfenden wie zu aktualisierenden Eindruck vom „gesellschaftlichen Ganzen“ und seinen „rhizomatischen“ Zusammenhängen. Dieser Eindruck ist wahrscheinlich nicht repräsentativ, ergibt aber aufschlußreiche Stichproben und zahlreiche neue Aspekte und Informationen zum Thema Überwachung als Ausgangspunkt für weitere Studien und Projekte. Sollte es möglich sein, das Projekt über einen längeren Zeitraum und an mehreren Orten durchzuführen, würden entwicklungs- und zeitgeschichtliche Veränderungen der verschiedenen Aspekte des Themas Überwachung erkennbar werden.



Serie "Sie nennen es Arbeit"

(Seit 2015; Digiprints; Dimensionen variabel)

Vor vielen Jahren knallte Jenny Holzer den Spruch „People who lost work with their hands are parasites“ auf eine Kino-Anzeigentafel. Das war zu einer Zeit, als der westlichen Leistungsgesellschaft bereits die Arbeit ausging. Viele Künstler leben hingegen völlig andere Lebensentwürfe. Ich kenne und kannte Künstler (auch Künstlerinnen), für die ein Leben als Künstler dauerhaft mit bitterer Armut und existenzieller Ungewissheit verbunden war oder ist - mitunter bis hin zu einem Punkt, an dem ihnen die materiellen Sorgen die Kreativität vereitelten und sie gar die Kunst verfluchten. Andererseits kennen Künstler in der Regel bei ihrer Arbeit genau das nicht, worum es mir in dieser Serie geht: Sinnentleerte, tote Zeit, dauerhafte (Selbst-)Entfremdung, Arbeiten nach der (Stech-)Uhr, Fremdbestimmung oder willkürliche Austauschbarkeit der Tätigkeit. Gleichzeitig stellt die Serie aber auch die Frage nach dem heutigen Begriff von "Arbeit" in einer Zeit der Massenarbeitslosigkeit, der versteckten Sklavenarbeit auch in Deutschland (nicht nur in Bordells), der "Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen" im Sinne einer "Wissensgesellschaft" und "Dienstleistungsgesellschaft", in der es aber immer noch "vorindustrielle" "Drecksarbeit" zu machen gilt. Gesucht ist aber nicht eine volkswirtschaftliche oder sozialwissenschaftliche Definition von Arbeit, sondern mir geht es um das "Bauchgefühl" bei dem, was wir im Alltag "Arbeit" nennen - im Unterschied zu dem, was Hans A. Pestalozzi in meinen Kindertagen einmal als "Tätigsein" beschrieben hat.











Edition „Deutschlandflagge“
(2015; Flagge 90 x 150 cm mit der arabischen Aufschrift "Deutschland", 15 Stück, Polyester mit Messingösen; Aufkleber 6 x 8 cm mit der arabischen Aufschrift "Deutschland", 1000 Stück)

Im Studium habe ich gelernt, dass es - unter anderem - eine Aufgabe des Künstlers ist, zeitgenössische "Diskurse" zum "clashen" zu bringen. Ich tue das nicht zum ersten mal, denn was für gewöhnlich in der "diskursiven Öffentlichkeit" unter den Teppich gekehrt wird, kommt so an die Oberfläche und auch wenn der/die Einzelne seine/ihre Gefühle während des "clash" beobachtet, lässt sich einiges an Selbsterkenntnis gewinnen. Im Herbst 2015 musste ich einerseits immer wieder feststellen, wie sehr öffentliche Diskussionen - auf der Straße, aber auch in den elektronischen und digitalen Medien - belastet wurden durch die Versuche der deutschen Bundesregierung, durch intensive "Öffentlichkeitsarbeit" in diversen Medien und Formaten mit Nachdruck Einfluß auf die öffentliche Meinung zu nehmen, bis hin zu dem Versuch, Denkverbote durchzusetzen. Andererseits ließ sich aber ebenso vielen Gesprächen mit anderen Bürgern entnehmen, welche Tabus in den Köpfen vieler Menschen lebendig zu sein scheinen, in dem Sinne, dass die Befragten es nicht wagten, aktuelle Entwicklungen zu Ende zu denken, so wie es beispielsweise Schriftsteller wie Michel Houellebecq oder vor ihm H.G. Wells so meisterhaft getan haben. Meine Deutschlandflagge stellt Fragen und will tabuisierte Stellen der öffentlichen Diskussion beleuchten. Sie steht dabei bewusst - wie distanziert(!) - im Spannungsfeld zwischen der Flagge der deutschen ISAF-Soldaten, die auf Arabisch jedoch lediglich als "deutsch" bzw. "Deutscher" gekennzeichnet wurden und Hybridformen der deutschen und türkischen Flagge, die von nationalkonservativen Kreisen ebenfalls zu Propagandazwecken eingesetzt wurden.

Beide Teile der Edition sind erhältlich im Shop




       




Video „Weichklopfen“
(2015; Videoinstallation; 2:01 Min.; Dimensionen variabel)


https://youtu.be/sytDNmzjPLk

Eine Allegorie auf die sozialen Imperative der Gegenwart.



Serie "Kleine Typologie der Laubbläser"
(Seit 2015; Digiprints; Dimensionen variabel)

Der gemeine deutsche Laubbläser ist eine Gattung, die von seltenen Ausnahmen abgesehen nur während eines sehr kurzen Zeitraums im Herbst eines jeden Jahres unter Menschen zu finden ist. Die Gattung verhält sich extrem kamerascheu und begegnet professionellen Beobachtern mitunter aggressiv, bleibt in der Regel jedoch teilnahmslos. Evolutionär verdrängte in den vergangenen zwei Jahrzehnten diese Gattung die Gattung der zuvor endemischen Laub-Recher nahezu bis zur Extinktion. Im auffälligen Unterschied zur letzteren ist der Laubbläser überzufällig häufig von Adipositas betroffen. Im Jahre 2016 konnte erstmals eines der äußerst raren weiblichen Exemplare dokumentiert werden.











Edition "Reality Headset"

(2015; Objekt ca. 19 x 7 x 6,5 cm; Auflage 75 Stück)

Als ich begann, Medienwissenschaften zu studieren, waren virtuelle Realitäten das faszinierendste Thema dieser Jahre und ihr seinerzeit bekanntester Pionier Jaron Lanier für viele so eine Art Guru. Ich selbst wurde von den damaligen Ausgabegeräten leider simulatorkrank. Nun, eine Generation später, gibt es erneut interessante Ansätze, mittels einer "Kopfgarnitur" virtuelle Welten für breite Anwenderschichten erlebbar zu machen und vielleicht wird es ja diesmal das nächste "große Ding", das unsere Medienwelt revolutioniert.

Mein "Reality Headset" geht hingegen absichtlich den umgekehrten Weg: Mit diesem Headset kannst Du die Realität direkt, unverstellt, medial unvermittelt, unverzerrt, ungefiltert, ungeschützt sowie propaganda- und ideologiefrei erleben. "Zen powered" ist dieses geistige Trainingsgerät, weil bei der Entwicklung alles über das nackte Erfahren der Realität mit einfloß, was ich in vielen Jahren von meinen drei bedeutendsten Zen-Meistern gelernt habe. Traue Dich, dieses ultimative Abenteuer zu erleben... 








Serie "Me
on the run"
(2015; Digiprints; Dimensionen variabel)

Hier siehst Du mich auf der Flucht. Gibt es etwas, vor dem Du davon rennst?









Serie "Street-Beauties"
(Seit 2015; Digiprints; Dimensionen variabel)

Mit dieser Serie löse ich eine Wette ein: Ich hatte gewettet, dass auf Hamburgs Straßen bedeutendere Schönheiten zu finden seien als in den Casting-Shows des Privatfernsehens. Bei den Aufnahmen geht es mir gleichzeitig um die Illustration eines ästhetischen Sachverhalts, den bereits Heinrich von Kleist in seinem Aufsatz "Über das Marionettentheater" (1810) bislang unübertroffen dargestellt hat, denn um die "Unordnungen in der natürlichen Grazie der Menschen" zu vermeiden, die "das Bewußtsein anrichtet" musste ich bei den Aufnahmen konsequent konspirativ vorgehen, was die Sache enorm erschwerte.





Fahndungsaufruf "1.000 Euro Belohnung - Wem gehört diese Überwachungskamera?"
(2015; Digiprint; 21 x 29,7 cm)



Am 03. September 2015 erging in Hamburg der folgende bundesweite Fahndungsaufruf:

"Am Rand der S-Bahn-Station Stellingen, etwa 15 Meter von der Station entfernt, befindet sich diese Überwachungskamera. Die Kamera ist direkt auf ein Wohnhaus gerichtet und verletzt das Grundrecht auf Unverletzlichkeit der Wohnung. Weder die Polizei Hamburg, noch Landes- und Bundespolizei erklären sich für die Anlage verantwortlich, ebenso wenig die Hamburger S-Bahn. Bislang ist daher ungeklärt, wer, warum und zu welchem Zweck die Überwachungskamera auf das Wohnhaus ausrichtete. Wer kann Angaben machen zu den Eigentümern dieser Überwachungskamera bzw. deren Verantwortlichen?

Für Hinweise, die zu einer Aufklärung und Ermittlung der Eigentümer führen, ist eine Belohnung im Wert von 1.000 Euro ausgesetzt. Über die Zuerkennung und Verteilung wird unter Ausschluss des Rechtsweges entschieden. Die Belohnung ist ausschließlich für Privatpersonen und nicht für Amtsträger bestimmt, zu deren Berufspflicht die Verfolgung strafbarer Handlungen gehört. Auf Wunsch wird Vertraulichkeit geprüft. Auch sachdienlichen Hinweisen wird nachgegangen. Hinweise bitte an den Medienkünstler Tankred Tabbert unter http://tankred-tabbert-art.de.tl oder an jede Polizeidienststelle."

Anmerkung: Am 13. September veröffentlichte der Hamburger Journalist Carsten Vitt, dass die fragliche Überwachungskamera der Hamburger Polizei gehörte. Warum die Kamera gegen geltendes Recht auf ein Wohnhaus gerichtet war, konnte bei der Polizei niemand sagen. Ich danke ganz herzlich dem Elbe-Wochenblatt für die Veröffentlichung meines Fahndungsaufrufs online und in der Print-Ausgabe der Zeitung.





"Überwachungskamera im Gebäude der kunsthistorischen Fakultät zu Hamburg"
(2015; Digiprint; Dimensionen variabel
)





Video „Eternity ∞“

(2015; Videoinstallation; 1:58 Min.; Dimensionen variabel)


http://youtu.be/1yqMaOw2O0U

Eine Einladung zu einem freien Gedankenexperiment, die auf einer geträumten Idee beruht:
Was wäre, wenn das, was wir unter „Ewigkeit“ verstehen, ebenfalls einem Zyklus unterworfen wäre?

Klingt paradox? Von Oscar Wilde lernte ich viel über die diversen Eigenschaften von paradoxen Gedankengebilden, unter anderem, durch ihre innere Widersprüchlichkeit einen Freiraum für kreative neue Gedanken und alternative Perspektiven zu ermöglichen. Und von meinem "Lehrer" Franz Erhard Walther durfte ich eine Menge lernen über "das Andere" denken. Noch eine Anmerkung für alle philosophisch Interessierten: Mit dieser Art, das geträumte Paradoxon sinnlich erfahrbar zu machen, setzt das Video explizit keine Existenz eines "unbewegten Bewegers" voraus.



Serie "Grenzen der Zivilisation" 
(2015-2016; Digiprints; Dimensionen variabel)

Diese Serie beschäftigt sich mit einem Kontrast, den ich vor der eigenen Haustüre immer wieder erlebe: Einerseits eine immer rigidere Ordnungsgesellschaft vermittelt durch zunehmend kleinteiligere staatliche Vorschriften, Gesetze und Kontrollen sowie eine umfassende Überwachung, andererseits die Ohnmacht des Staates angesichts der Ausfransungen an den Rändern unserer Gesellschaft, wobei an diesen Rändern nicht nur die Aufrechterhaltung einer staatlichen Ordnung immer wieder eklatant mißlingt, sondern mehr noch die Grenzen einer Zivilisation erreicht werden.

Mein "Lehrer" Richard Wentworth brachte uns bei, dass der Ort vor der eigenen Haustüre in der heutigen globalen, vernetzten Gesellschaft zu den exotischsten überhaupt zählt und als sein Schüler halte ich es nicht für meine Aufgabe, Forderungen zu stellen oder politische Empfehlungen zu geben, wohl aber, dorthin zu sehen, wo andere wegsehen. Bleibt noch anzumerken, dass der hier zu sehende erste Teil der Serie am gleichen Tag innerhalb von nur drei Stunden entstand.

Weitere Arbeiten der Serie gibt es auf http://youtu.be/eEFbPhLsafI






















Serie "Bilder, die ich nie machte" 
(Seit 2015; schwarzer Kugelschreiber auf Papier; 29,7 x 42 cm)

Es gibt eine ganze Reihe von Bildern, die ich gerne gemacht hätte, zu denen es aber nie kam. Entweder, weil der Moment, den ich mit der Kamera festhalten wollte, zu schnell verging, manche Momente waren aber auch einfach technisch nicht umsetzbar. Mit den Jahren bemerkte ich, dass mir manche dieser nicht gemachten Bilder genaus so viel bedeuten, wie die Bilder, die ich realisieren konnte. Also habe ich versucht, diese Bilder mit Worten zu skizzieren und hoffe, dass sie ein Stück weit in den Köpfen der Leser dieser Texte entstehen können, wobei die gewählte Gestalt der Texte (handgeschrieben auf Malpapier) das fehlende Bild zumindest an der Wand ersetzen soll. 








Serie "Hurenherzen" 
(Seit 2015; Ölpastell auf Papier; 29,7 x 42 cm)

Liebe kann man nicht kaufen... so sagt man. In Hamburgs Zonen "käuflicher Liebe" habe ich Prostituierte (im politisch korrekten Neusprech: Sexarbeiterinnen) gebeten, mir ein rotes Herz in meinen Skizzenblock zu malen. Wie in meinem Video über "para-soziale Interaktion" geht es in dieser Serie um die Frage nach dem Menschen, seinem Wesen und seinen Gefühlen hinter der sozialen Rolle (hier der Rolle der Prostituierten)  sowie um die emotionalen Projektionen, Sehnsüchte und Bedürfnisse der Rollen-Interaktionspartner (hier der Freier).

Rote, handgemalte Hurenherzen repräsentieren mit der Bandbreite ihrer möglichen Bedeutungen das dazu passende Spannungsfeld: Sie können abstraktes Symbol, emotions- und inhaltsloses Klischee, aber auch echte Liebesbotschaft sein. Die Herzen, die ich geschenkt bekam, waren dabei so individuell wie ihre Urheberinnen und von diesen Frauen durfte ich viel über Männer lernen.












Serie "Eure Armut kotzt mich an" 
(2015; Videoinstallation; 1:54 Min. und 4 Digiprints; Dimensionen variabel)

„Eure Armut kotzt mich an“ las ich zu Zeiten des Wohlstandshöhepunkts der 1980er Jahre auf einer silberfarbenen Ingoldstädter „Oberklasse-Limousine“, die Mühe hatte, uns „Linkströdler“ auf der Autobahn rechts zu überholen. Subtile Kapitalismus-Kritik oder einfach nur zynische Häme auf einem hierfür viel zu billigem Auto?

Der Selbstdarstellungsdruck ist geblieben und die Abgrenzungsgeilheit in unserer Gesellschaft hat sich tief in das Gesicht meiner Stadt eingefressen. Soziologen lehren uns heute, dass die „feinen Unterschiede“ sich in der Gegenwart vor allem an der Gegend festmachen, in der ich wohne. In „besseren“ Lagen grenzt man sich über die konkrete Straße (oder Chaussee), in der man wohnt, gegenüber den anderen besserverdienenden Bewohnern des gleichen Stadtviertels ab, lieber jedoch über die Architektur, die das Quartier folglich in eine Bühne verwandelt. In den „Ungunst-Räumen“ meiner Stadt haben die Menschen existenzielle Probleme und bekommen aufgrund der „falschen“ Postleitzahl häufig keine Antwort auf ihre Bewerbungen, was gerade bei jungen Menschen den weiteren Lebensweg schon einmal entscheidend vorherbestimmen kann.

Doch wer sich gegenüber anderen als „superior“ abgrenzt, wird nicht nur in einer Milliardärshochburg wie Hamburg immer jemanden finden, dem aus seiner noch weit höheren Position im Wohlstandsgefälle heraus ob der Armut der anderen Wohlhabenden das Kotzen kommt. Ein Wettlauf ohne Sieger und ohne „Finish“ - und wir rennen weiter...



https://www.youtube.com/watch?v=nkNxrFCBKMo













Serie "Autoportraits" 
(2015; Digiprints; Dimensionen variabel)

Ende der 1990er Jahre beschäftigte ich mich als frischgebackener Medientheorie-Dozent viel und gerne mit "öffentlichen Intimsphären", die auch häufig Gegenstand der damaligen Gegenwartskunst waren (z.B. Jeff Koons, LaLoba, Bettina Rheims, Sophie Calle). Bereits damals war "Kunst und Überwachung" (siehe meinen separaten Blog) ein wichtiges Thema, aber öffentliche Intimsphären als selbstständiges Genre waren damals noch in größerem Umfang anzutreffen als derzeit, wohl weil die Überwachung noch nicht so allumfassend war wie heute. Da mich nicht nur öffentliche Intimsphären sehr interessieren, sondern auch ihr historischer Wandel, habe ich also aus meinem Auto heraus andere Autofahrer in ihren Autos portraitiert:

Denn die Innenräume unserer Autos sind öffentliche Intimsphären par excellence - wir bewegen uns in ihnen sichtbar im öffentlichen Raum und werden so Teil des öffentlichen Raums, sie stehen als Element des überwachten Verkehrs gleichzeitig im Fadenkreuz der Verkehrskontrolle und dennoch werden sie von ihren Benutzern gewohnheitsmäßig wie Privaträume behandelt. Die Spannungen und Verwerfungen öffentlicher Intimität lassen sich somit an den Innenräume von Personenkraftwagen und deren "Bewohnern" exemplarisch ablesen, aber eben auch, wie sich das Wesen öffentlicher Intimsphären in den vergangenen Jahren durch gewandelte gesellschaftliche Zustände ebenfalls verändert hat. Portraits sind diese Aufnahmen für mich insofern, als die Bilder auf ihre eigene Weise Psychogramme der abgebildeten Menschen darstellen, in Momenten, in denen sie häufig ganz sie selbst und ganz bei sich selbst sind oder in denen die Qualität ihrer Beziehung zueinander lesbar wird.

Einige wenige der unfreiwillig und ohne Absprache fotografierten Personen bemerkten mein Fotografieren und wurden deshalb mitunter recht wütend, denn sie konnten sich gegen diese Art der Erfassung der eigenen Person nicht wehren, waren der heimlichen Erfassung hinterrücks hilflos ausgeliefert und hatten vor allem keinen Einfluss darauf, was mit den Bildern von ihnen geschieht. Der Verkehrsfluss hinderte sie allerdings daran, irgendetwas dagegen unternehmen zu können und ein Gefühl der Ohnmacht blieb unwillkürlich zurück. Vielleicht nehmen diese Personen diese Gefühle in Zukunft auch in anderen Situationen wahr, in denen sie erfasst werden?

















Video "The sky above my head"
(2015; Videoinstallation; 2:58 Min.; Dimensionen variabel)



http://youtu.be/EtfM_53QNmE

Als Student hat mich eine Arbeit von Ottmar Hörl derbe geflasht, der eine Kamera mit einem Katapult in Frankfurt über den Main schleuderte - die „Flugbilder“ waren zwar nur Schwarzweiß aber trotzdem der Hammer. Später lernte ich viel von Franz Erhard Walther über das Verhältnis von Körper und Raum sowie von Steve Mann und Stelarc über technische Erweiterungen des Menschen und so kommt es, dass ich gerne ein „drittes Auge“ hätte, mit dem ich alles sehen könnte, was über mir passiert. Das Video ist eine experimentelle Annäherung an diese Art der räumlichen Wahrnehmung unter Verwendung eines technischen Hilfsmittels, wobei ich die Kamera an der Stelle des Kopfes „angeschnallt“ habe, an der ich das dritte Auge vermisse. 




Serie "Tagediebe" 
(Seit 2015; Digiprints; Dimensionen variabel)

Künstler werden von bildungs- und kunstfernen Menschen gerne als Tagediebe verunglimpft. Umgekehrt wissen Künstler, dass Karl Valentin Recht hatte mit seinem Ausspruch „Die Kunst ist schön, aber macht viel Arbeit“. Bei der Beschäftigung mit dem Thema Tagediebe lernte ich viel über den aktuellen Zustand unserer Gesellschaft und dem derzeit herrschenden sozialen Klima. Ich muss daher meinem Freund Horst Bote zustimmen, der in seinem zweiten Buch die Problematik auf die knappe Formel brachte „Arbeitslose sind die neuen Juden“. Während sich auf der einen Seite viele Betroffene schlichtweg verstecken, um nicht diffamiert zu werden, gehen andere mit ihrer Tagesfreizeit offensiv um - mögen sie von anderen als „Schmarotzer“, die auf Kosten anderer leben, angesehen werden oder auch nicht.

Deutlich wird bei einer solchen Recherche die Kehrseite einer „Leistungsgesellschaft“, der die Arbeit ausgegangen ist, in der Beziehungen oder ein „politisch korrektes“ Bewerberprofil überzufällig häufig wichtiger sind als Qualifikationen und in der die derzeitige Korruption erst einmal auf das Niveau einer „Bananenrepublik“ reduziert werden müsste, damit wir wieder von einer „Bananenrepublik Deutschland“ sprechen könnten. Nun, von meinem „Meister“ Richard Wentworth habe ich gelernt, gerade dorthin zu schauen, wo andere wegsehen - und in diesem Sinne sind die „Tagediebe“, die mir bei meiner „Forschungsexpedition“ in die bundesrepublikanische Wirklichkeit begegneten nicht ausschließlich Verzweifelte, Gestrandete, sondern andererseits auch Menschen, die entgegen der vorherrschenden neoliberalen Ideologie ein - beinahe utopisches - selbstbestimmtes Leben in Muße, ohne Leistungsdruck und ohne Selbstentfremdung orientiert an Werten wie beispielsweise Freunde, Familie oder Selbstverwirklichung führen... freilich auf Kosten anderer. Diese Problematik berührt dann wiederum das Thema „bedingungsloses Grundeinkommen“ in einer Leistungsgesellschaft ohne ausreichende und weiter schwindende Beschäftigung, womit ich mich bereits in meinem Video „Epochenschwellen“ beschäftigte. Also: Kiek mol in!















Video "Liebt eure Kanaken"
(2015; Videoinstallation; 1:22 Min.; Dimensionen variabel)



http://youtu.be/yQFlw4TMgqI

Im Studium habe ich gelernt, dass es eine mögliche Aufgabe des Künstlers ist, zeitgenössische Diskurse miteinander kollidieren zu lassen. Nun denn - here we go:

In dieser Aktion zeige ich ein Schild mit der Aufschrift „Liebt eure Kanaken“ vor dem Tonsberg-Laden in Glinde bei Hamburg. Unstrittig ist, dass die damit verbundene Marke Thor Steinar seinerzeit ihren „Durchbruch“ einem rechtsextremen Publikum zu verdanken hatte. Aus Hamburg vertrieben, siedelte sich der Laden in Glinde an, einer Vorstadt von Hamburg, die von den Nazis durch Ansiedlung von Kriegsmaterial herstellenden Fabriken erst zu nennenswerter Größe gelangte, die bis heute fast ausschließlich aus Zugezogenen besteht und deren „Alteingessessene“ als Flüchtlinge nach dem Krieg sich hier ansiedelten. In dem Stadtteil, in dem der Laden sich niederliess, findet sich auch der „Nationale Widerstand Glinde“.

Ansonsten ist Glinde ein Paradies für zugezogene Familien, insbesondere konservative „Häuslebauer“. Wie gewöhnlich siegte Profitgier über ethische Bedenken und selbst eine eigens gegründete und sehr umtriebige Bürgerinitiative vermochte - im Unterschied zu ihren Hamburger Kollegen - es nicht, den Laden aus der Stadt zu vertreiben, auch nicht mit ihren Mahnwachen vor dem Laden. Die von der Stadt massiv unterstützte Bürgerinitiative „Glinde gegen Rechts“ erhielt trotz ihrer Erfolglosigkeit zahlreiche hoch dotierte Preise und Auszeichnungen. Auch der Einsatz von Teer und ähnlichem durch Unbekannte änderte nichts an der Situation.

Es kollidieren hier in Glinde also nur durch einen Parkplatz getrennt die Diskurse „Pegida“ bzw. „Nationaler Widerstand“ mit „Zivilgesellschaft“ und „Glinde gegen Rechts“. Beide Seiten verfügen offenbar über Sympathisanten, die zu Extremismus neigen. Der Diskurs beider Seiten trägt deutliche ideologische Züge, die man am Sprachgebrauch und an Sprach-Verboten ablesen kann: Personal des Thor Steinar-Ladens bezeichnet Kritiker und Protestierende als unausgelastete, arbeitsscheue "Zecken", die "political correctness" der Glinder Zivilgesellschaft sorgte für die nachträgliche Umbenennung einer historischen Siedlung, die bis dato jahrzehntelang dem "Volksmund" folgend auch offiziell "Negerdorf" heißen durfte.

Mich interessiert das Thema nicht zuletzt deshalb, weil ich dank der „südländischen“ Anteile in meinem „Genpool“ weiß, was mein Lieblings-MC Frederick Hahn einst mit „fremd im eigenen Land“ meinte. Als Zen-basierter Künstler werte ich jedoch nicht, ich lade lediglich dazu ein, die beiden widerstreitenden Positionen einmal gründlich zu hinterfragen!

Und dies vor dem Hintergrund von zwei Denkern, denen ich viel verdanke: Zum einen Friedrich Nietzsche mit seinem großartigen Aufsatz „Über Lüge und Wahrheit im außermoralischen Sinne“, der auf die - scheinbar unhintergehbaren und unverzichtbaren - Lebenslügen von einzelnen Menschen, aber auch Staaten aufmerksam macht. Und Edward W. Said, den ich dank der Breuninger-Stiftung einmal kennen lernen durfte und der im Anschluß an einen Gastvortrag in Stuttgart von einem „ewigen Studenten“-Kollegen gefragt wurde, ob denn eine tolerante Gesellschaft diejenigen, die absolut nicht tolerant sein wollen, zu Toleranz zwingen dürfe oder gar müsse... Leider blieb uns Prof. Said die Antwort schuldig. 

Für mich stellt dieser „clash“ der Diskurse in mustergültiger Weise die Lebenslügen unserer Gegenwartsgesellschaft rund um das Thema Migration und Neoliberalismus dar und den Nutzen, den jede Seite auf ihre Weise daraus zieht. Wer in Hamburg lebt und mitbekommt, wie Einwanderer in soziale Brennpunkte „entsorgt“ werden und wie sich die „bessere Gesellschaft“ mit allen Mitteln wehrt, bloß keine Einwanderer in „ihren“ Quartieren unterbringen zu müssen und dergleichen, weiß was ich meine. Neulich in „meinem“ Quartier erschoss in einem Bordell eines türkischen Inhabers ein albanischer Freier einen bulgarischen Barkeeper... in Blankenese und Rothenbaum hingegen beispielsweise beträgt die Anzahl der aufgenommenen Flüchtlinge derzeit 0 (in Worten: Null). Sapienti sat! Hoffen wir auf die heilende Kraft der Liebe.

Weitere Informationen gibt es hier:
http://de.wikipedia.org/wiki/Thor_Steinar
http://www.notonsberg.de



Serie "The Adventures of Johnny the Camera" 
(Seit 2015; Digiprints; Dimensionen variabel)

"Johnny the Camera" ist eine absolut durchschnittliche Digitalkamera, reine, billige Massenware, deren "Körper" aus einem ebenso durchschnittlichen Stativ besteht. Johnnys beste Freunde sind die toten Maler, die im Bücherregal seines Besitzers stehen, aber das ist auf Dauer manchmal ein wenig langweilig. Doch Johnny ist eine Kamera aus Leidenschaft und deshalb liebt er es, loszuziehen, wohin er will und zu fotografieren, denn das kann er dank Selbstauslöser auch ganz alleine. Beim Fotografieren wird er von seinem Besitzer fotografiert und die Betrachter sind eingeladen, die beiden Versionen der identischen Ereignisse, entstanden zur selben Zeit am selben Ort zu vergleichen. Die Unterschiede zwischen "maschinaler" und "humaner" Fotografie machen einige der "Konstruktionsprinzipien" von "Medienwirklichkeit" deutlich und werben dafür, sich als Mensch ruhig ein wenig "anthropomorphistische" Sympathien für unsere kleinen, treuen maschinalen Begleiter zu erlauben.










Serie "Things along the way" 
(Seit 2015; Digiprints und Fundstücke; Dimensionen variabel)

Die Serie besteht aus einer Kombination von Fundstücken entlang des Wegesrandes und Fotografien der Umgebung, in der sie gefunden wurden. "Wie kommt das denn dahin?" habe auch ich mich gefragt und die Objekte lösen bei den meisten Betrachtern ganz eigene und höchst unterschiedliche "Geschichten im Kopf" aus, wobei es spannend ist, diese Fiktionen miteinander zu vergleichen.

Als Medienwissenschaftler und -künstler in Personalunion ist diese Serie für mich eine willkommene Gelegenheit, einmal auf sinnliche Weise Fragestellungen anschaulich zu machen, die sonst im Bereich der Theorie verbleiben. Stichworte wären hier die "Konstruktion von Wirklichkeit", das Spannungsverhältnis von "Original" und "Abbild" bis hin zu "Simulakren", die "Lenkung" der Beobachter, Zusammenhänge von "Kontextualisierung" und "Rekontextualisierung" und sicherlich noch andere.

In der Raum-Installation von Fotografie und Fundstück möchte ich den Betrachtern dabei jenseits aller Theorie einfach einmal die Gelegenheit geben, das jeweilige Fundstück einschließlich seiner gegenständlichen, haptischen Qualitäten mit seinem Abbild und dessen Eigenheiten "crashen" zu lassen und dem innerlich nachzuspüren.
















"Bach-Video"
(2015; Videoinstallation; 5:07 Min.; Dimensionen variabel)



https://www.youtube.com/watch?v=LAKtXDnbulI&hd=1

Zen-inspiriertes Video zum Einsfühlen, Entspannen, innerlich Einkehren, meditieren und dergleichen. Please enjoy!




Video "Post-Journalismus: Schwundstufe Null"
(2015; Videoinstallation; 0:30 Min.; Dimensionen variabel)



https://www.youtube.com/watch?v=i1vCBLacSiQ

Kostenlose Wochenblätter, die mehr schlecht als recht über lokale Ereignisse informieren sind an sich schon eine Schwundstufe "richtigen" Journalismus' im Sinne von solider Recherche, der Selbstverpflichtung Meinungen und Werbung als solche zu kennzeichnen und nicht mit redaktionellen Inhalten zu vermischen etc. Man kann vielen Zeitgenossen angesichts des inhaltlichen Verfalls der "Qualitätspresse" wohl nicht immer verübeln, dass sie gleich Wochenblätter zur Hand nehmen. Im vorliegenden Fall hat aber die Schwundstufe des deutschen Journalismus die Nullstufe erreicht, indem die Werbung das Lesen selbst banalster, schlecht geschriebener Inhalte schlichtweg verunmöglicht. Ein Post-Journalismus, der einer Post-Demokratie entspricht.




Serie "Colours of Life" 
(2015-2016; Digiprints; 29,7x42cm)

Die Serie beschäftigt sich mit der "Gemachtheit" unserer Lebenswelt. Die verwendeten und hier in isolierter Form bewusst in das Zentrum der Aufmerksamkeit gerückten Druckerzeichen stammen von allen Arten von farbigen, massenhaft hergestellten Gegenständen, die uns überall umgeben - Umverpackungen, Drucksachen, Plakate - dort sind die Druckerzeichen jedoch meist gut versteckt, so dass wir sie in der Regel nicht bemerken. Dennoch sind sie die "Referenz" für die Gestaltung weiter Teile unserer Lebenswelt. Druckerzeichen bewegen sich als Brücke zwischen Entwurf und "real life" autonom im Spannungsfeld von Standardisierung und kreativer Freiheit. Sind wir mit der Gestaltung unserer heutigen Lebenswelt so zufrieden? Was möchten, was können wir in Eigenregie verändern? Mir ging es darüber hinaus auch darum, die Druckerzeichen aus ihrem "Dornröschenschlaf" zu holen, denn für mich besitzen sie eine eigene, abstrakte (bei genauem Hinsehen sogar individuelle) Schönheit, obwohl sie sonst nur als "Mittel zum Zweck" dienen.


Ausschnitt/Detail aus "Colours of Life 11"


"Colours of Life 1"



"Colours of Life 2"



"Colours of Life 7"




Video "1.814.597"
(2015; Videoinstallation; 2:02 Min.; Dimensionen variabel)



http://youtu.be/S1x7F5okNTo

Einemillionachthundertvierzehntausendfünfhundertsiebenundneunzig Einwohner zählte Hamburg zur Drehzeit des Videos an der Hamburger Kunsthalle im Frühjhr 2015 - ohne dazugehörige Metropolregion, mit der Hamburg auf ca. 3 Millionen Menschen kommen dürfte. Das Video handelt nicht davon, wie und wo man am besten eine/n Partner/in findet, sondern von dem schwer beschreiblichen, vielleicht nach eiskaltem, flüssigem Chrom schmeckenden und höchst paradoxen Gefühl der Einsamkeit in einer Millionenmetropole - auf der abenteuerlichen Suche nach dem oder der „richtigen“. 3 Millionen Menschen - aber wo bist DU? Ich war hier...



Video "Epochenschwellen"
(2015; Videoinstallation; 11:28 Min.; Dimensionen variabel)



http://youtu.be/JD2WK23gbTo

Ein Video, das verschiedene Künste und Wissenschaften (Malerei, Fotografie, Performance, Soziologie und Politikwissenschaft) vereinigt, um eine wichtige Epochenschwelle sinnlich erfahrbar zu machen, die wir alle seit einiger Zeit erleben, die uns alle betrifft und wohl noch viele weitere Umwälzungen mit sich bringen wird. Die im Video zitierte Performance "Tokyo Gagaga" stammt von dem von mir höchst verehrten Sono Sion und der wissenschaftliche Beitrag von Adrienne Goehler anlässlich eines Symposiums in Hamburg.



Video "Eyeball"
(2015; Videoinstallation; 4:54 Min.; Dimensionen variabel)



http://youtu.be/nBmPTYX4n14

Ein Zen-inspiriertes Video, das einerseits zum Assoziieren und Meditieren einlädt, beruhend auf einem Traum und der Bedeutung, die das Kreis-Symbol im Zen-Buddhismus besitzt. Im öffentlichen Raum andererseits entfaltet das unabwendbare, aufdringliche, ein wenig freakige Auge eine im Gegenteil sehr krasse und beunruhigende Wirkung:

Menschen erhalten von dem nervös blickenden Auge ein völlig neues Gefühl dafür, was es bedeutet beobachtet zu werden und fühlen sich auf unangenehme Weise überwacht. Die sonst meist unbemerkt und abstrakt ablaufende Überwachung erhält plötzlich ein persönliches Gesicht, die "Herrschaft des Blicks" wird spürbar. Gleichzeitig erhalten die Betrachter das Gefühl, dass die anonymen Überwacher aus ihrer Anonymität herausgerissen werden und die zermürbende Schattenseite des Dauer-Überwachens unter der das Auge offenbar leidet, kann in ihrer Verletzlichkeit und Ödnis auch Hoffnung machen.



Video "Meine Schlampen - Eine Studie in para-sozialer Interaktion"
(2015; Videoinstallation; 3:56 Min.; Dimensionen variabel)



https://www.youtube.com/watch?v=KEwXaJfKtW8

Vermittelt durch meinen akademischen Lehrer Joshua Meyrowitz lernte ich das ursprünglich von den Psychologen Horton und Wohl entwickelte Konzept der „para-sozialen Interaktion“ zwischen Zuschauern und den Personen auf dem Bildschirm kennen: „They argue that altough the relationship is mediated, it psychologically resembles face-to-face interaction. Viewers come to feel they >>know<< the people they >>meet<< on television in the same way they know their friends and associates. In fact, many viewers begin to believe that they know and understand a performer better than all the other viewers do. Paradoxically, the para-social performer is able to establish >>intimacy with millions.<< […] For many viewers, soap opera and other television characters are real people to whom they can turn for inspiration and advice.“ Meyrowitz betonte bereits in der Mitte der 1980er den „overall evolutionary trend, even within each type of medium, toward shrinking of the differences between live and mediated encounters.“ (Meyrowitz, Joshua (1986): No Sense of Place. The Impact of Electronic Media on Social Behavior. Oxford, 119, 121)

Als ich zum ersten Mal miterlebte, wie eine offenbar gesunde, aber wohl einsame Frau mit einem Tagesschausprecher diskutierte, als sei er ein „normaler“ Mensch und mit ihr „real“ im Raum, war ich von diesem Konzept überzeugt - das war lange vor dem Internetzeitalter und ich habe seither viele Beispiele para-sozialer Interaktion in allen Varianten erlebt.

Pornodarstellerinnen interessieren mich im Sinne para-sozialer Interaktionen besonders, denn sie unterhalten absichtlich eine (einseitige) Intimität mit Millionen, die Grenzen zwischen medialer und direkter Kommunikation scheinen häufig zu verwischen bzw. es soll die Illusion einer Verwischung dieser Grenzen geschaffen werden (z.B. bei „live-Cams“), oft soll auch der Anschein echter Gefühle bewusst „produziert“ werden und sie sind für viele Menschen (nicht nur „Otakus“) eine Art Partnerersatz, zu der die Nutzer eine persönliche, im Wortsinne intime „Beziehung“ aufbauen, wie wir ebenfalls aus der psychologischen Forschung wissen.

Als Künstler ist es mir wichtig, einen Perspektiv-Wechsel bei dieser Art medial vermittelter zwischenmenschlicher Beziehung zu vollziehen, weg von den Zuschauern bzw. „usern“ para-sozialer Interaktionen hin zu den „performern“. Meine Bilderserie stellt die Frage nach den Menschen hinter den "performern" und inwiefern der „echte“ Mensch in der para-sozialen Interaktion möglicherweise „durchscheint“...  



Klang-Installation "Geräusche der Arbeitslosigkeit"
(2015; Klanginstallation; 22:07 Min.; Dimensionen variabel)



https://www.youtube.com/watch?v=oWcbufOlcoo&feature=youtu.be

Horst Bote, einer meiner besten Freunde, hat mich zu dieser Klang-Installation inspiriert. Er ist studierter Anglist und Altphilologe, konnte sich aber in Deutschland aufgrund der Sparmaßnahmen im Bildungsbereich beruflich nicht etablieren. Alle möglichen und unmöglichen "prekären" Jobs konnten ihn langfristig doch nicht vor Arbeitslosigkeit bewahren, sie höchstens für kürzer oder länger unterbrechen. Schließlich hat er seine Erfahrungen als Hartz-IV/ALG2-Empfänger in seinem Buch "1 Euro Weißmüllgeschichten" (Weißmüll wie "white trash") verarbeitet. Ein sehr emotionales, krasses Buch (aber nichts für schwache Nerven), das immerhin zwei Auflagen erlebt hat. In einer Hamburger Galerie lernte er seine spätere Frau kennen und folgte ihr nach der Hochzeit in ihre Heimatstadt Osaka. Heute unterrichtet er dort Englisch an einer Privatschule, ist Vater von zwei Töchtern und besucht seine alten Freunde und Familie in Hamburg noch einmal im Jahr. Ich kenne wenige Menschen, mit denen es so viel Spaß macht, nächtelang über Filme, Literatur, Musik und Kunst zu philosophieren und bei seinem letzten Besuch in Hamburg erklärte er mir viel über sein altes Leben in Deutschland und sein neues Leben im Japan. Die Klang-Installation ist das Ergebnis einer unserer nächtlichen "Sessions" und soll im Juni 2015 erstmals in einer meiner Ausstellungen zu hören sein. DANKE HOTTE! Domo arigato gozaimasu!



Video "Hamburg weiter vorn"
(2015; Videoinstallation; 3:40 Min.; Dimensionen variabel)



https://www.youtube.com/watch?v=mr0ZX9xbAnA&feature=youtu.be

Viele, viele Plakate in der Stadt: Ein  anonymer Mann im schwarzen Anzug und Krawatte, sein Gesicht ist nicht einmal halb zu sehen, im Vordergrund ein Spruch, der aus inhaltsloser Propaganda besteht. Sonst nichts. Wer ist der Mann? Für wen oder was steht er? Wir wissen es nicht.

Wäre nicht Wahlkampf in Hamburg, würde dieses Szenario an die Propaganda totalitärer Staaten erinnern oder  an  George Orwells Roman “1984”. Selbstparodie einer Kaste aus Politikern und Bürokraten, die mittlerweile zum oligarchischen Status Quo des Landes steht, es sich erlauben kann, den Scheincharakter von Wahlen offen zu kommunizieren?

Recherche: Doch ein Wahlplakat.Die hierfür beauftragte Werbeagentur wollte, dass Politik und Politiker hinter der Stadt “Hamburg” zurücktreten. Also eine völlig unbeabsichtigte, für mich aber ikonische Form, die aktuelle politische Lage soziologisch korrekt auf den Punkt zu bringen. Mir bleibt als Künstler nur noch, das Plakat zur Kenntlichkeit zu verfremden.

Das Video dokumentiert die Aktion, die sich wiederum auf mein Verständnis von Kunstfreiheit bezieht, die weiter unten im Zusammenhang mit der Arbeit "Se ipsum 2" erläutert wird. Please enjoy...













"Se ipsum II" 
(2015; Digiprint 60x40 cm)



Die zweite "Se ipsum"-Arbeit nach 25 Jahren. Es hat sich bei aller Kontinuität nach einem Vierteljahrhundert innerlich und äußerlich nicht nur das verwendete Medium geändert und so lädt die Arbeit ein zum Vergleich. Aber mehr noch geht es in dieser Arbeit um den "Künstler als Täter" und damit um das Thema Kunst- und Meinungsfreiheit, das zur Entstehungszeit der Arbeit zufällig zeitgleich aufgrund von Terroranschlägen und überwachungsstaatlichen Reaktionen auf diese Morde die Medien international beherrschte.

Der Künstler ist für mich Täter im Sinne eines Handelnden. Die Kunstfreiheit existiert absolut oder gar nicht. Was bedeutet das? Der Künstler als Handelnder befindet sich dank der Kunstfreiheit zwangsläufig in einem Spannungsverhältnis zu Staat und Gesellschaft, weil er als frei Handelnder aufgrund der Tatsache, dass Kunstfreiheit nur als Absolutes gegeben ist, außerhalb aller Gesetze und Normen steht, genauer: stehen muss. Niemand kann dem Künstler die Kunstfreiheit erlauben, sie ihm schenken oder ihn gar zur Kunstfreiheit ermächtigen - der Künstler setzt die Kunstfreiheit selbst in dem Moment, indem er künstlerisch handelt.

Das bedeutet andererseits auch, dass kein Staat der Welt, welchen politischen Systems auch immer, mich vor dem Verlust der Kunstfreiheit beschützen kann. Wie die Historie zeigt, sind aber auch umgekehrt alle Versuche, die Kunstfreiheit zu zensieren, langfristig zum Scheitern verurteilt. Ist die Kunst einmal in der Welt, in den Herzen und Köpfen anderer Menschen, kann die Zensur Bücher und Bilder verbrennen, Künstler wegschließen oder ermorden - die künstlerischen Arbeiten selbst haben dann schon lange ein Eigenleben unabhängig von ihrem Urheber begonnen, notfalls "rhizomatisch" im Verborgenen. 

Weil die Kunstfreiheit jedoch eine absolute Freiheit ist, bin ich als Künstler gleichzeitig gezwungen, mich über gesellschaftliche Normen und deren aktuelle Gesetze dann hinwegzusetzen, wenn das Werk dies verlangt. Gleiches gilt für Moden, Sitten oder weitverbreitete Geschmacksmuster. Dies macht den Künstler in der Folge deshalb immer auch zu einem potentiell Verdächtigen, zum möglichen Täter im juristischen Verständnis des Wortes. Was die Kunst "darf" und was nicht, entscheidet nur der Künstler selbst im Akt des Hervorbringens und der Setzung der jeweils konkreten Manifestation von Kunstfreiheit und dieser konkrete Akt bestimmt immer wieder neu die "Grenzen" der Kunst in diesem ganz individuellen Sinn. "Ethik und Ästhetik sind Eins" bemerkte Wittgenstein eingeklammert im "Tractatus" völlig zu Recht und meine Überzeugungen, mein Inneres, mein Bild der Welt sind meine jeweils individuellen Voraussetzungen und damit die Perspektive, mit der ich als Handelnder in den Möglichkeitsraum der Kunstfreiheit eintrete. Ergo: Für meine Kunstfreiheit braucht niemand auf die Straße zu gehen und niemand kann sie mir nehmen.



Edition "Speranza forte" 
(2014; hochdosierte Hoffnung in 10 mal N1-Verpackung; 10,5x6x2cm; Wirkstoff: Speranza immateriale; nicht rezeptpflichtig; nicht apothekenpflichtig; Auflage unlimitiert)



Selbst wenn man in einer komfortablen, hochtechnisierten Zivilisation wie der unseren lebt, scheint angesichts von Prekariat, Kriegen, Terrorismus, Seuchengefahr, Wirtschaftskrisen und Umweltkatastrophen wenig so sehr zu fehlen als Hoffnung für die Zukunft.

Ich habe es als Künstler immer wieder selbst erlebt, dass sowohl "meine" Zen-Meister als auch mein "Lehrmeister" Yves Klein vollkommen Recht hatten, dass es - nennt es wie ihr wollt - immaterielle, spirituelle, mentale, psychische Kräfte gibt, die wirken können und manchmal sogar ganz überwältigend körperlich spürbar werden. Weil ich das Gefühl habe, dass Hoffnung fehlt, habe ich also so viel hochdosierte, immaterielle Hoffnung wie ich nur konnte in Schachteln gepackt und ich wünsche mir, dass diese Packungen voller Hoffnung allen, die mehr Hoffnung gebrauchen können, als eine Art Glücksbringer, Talisman oder Verstärker ihrer eigenen inneren Hoffnung dienen. "Dosierungsanleitung beachten!" steht übrigens deshalb auf der Packung, weil es böse enden kann, wenn man sich in "falsche" Hoffnungen verrennt, wie jeder weiß...

-> Erhältlich bei Ausstellungen oder hier im Shop. 





Edition "Staubtaler" 
(2014; Taler aus handgeformtem Staub im Durchmesser von 49mm in Münzkapseln und Münzkassetten mit Echtheitszertifikat; Auflage 90 Stück)





Künstler sehen die Welt mit anderen Augen - insbesondere wenn zu ihren Lehrmeistern so illustre Persönlichkeiten wie Piero Manzoni und Meister Dogen gehören, dann führt ein solcher Mix in meinem speziellen Fall beispielsweise dazu, dass eine Edition wie die Staubtaler entsteht: 

Ich habe in meiner Lebenszeit bislang den Kommunismus implodieren und den Kapitalismus Pleite gehen sehen sowie die irrwitzige Selbstvernichtung seiner "Wertanlagen" und reibe mir jeden Tag verwundert die Augen, dass von uns als Arbeitnehmern und Konsumenten ernsthaft verlangt wird, die zentralen, unsere Lebensgrundlagen zerstörenden materialistischen Werte dieses weltbeherrschenden neoliberalen Wirtschaftssystems weiterhin zu Leitsternen unserer Leben zu machen. Als zen-beeinflusster Künstler kann ich nicht umhin, mit Hilfe meiner Staubtaler auf ganz direkte, unmissverständliche Weise die Illusionshaftigkeit dieser materialistischen Weltsicht sinnlich erfahrbar zu machen und so zu zeigen, was diese "Werte" wirklich "wert" sind.

Auf konzeptionell-theoretischer Ebene war es mir wichtig, mit den Staubtalern ein lehrbuchhaftes Musterbeispiel einer "Wertschöpfungskette" par excellence und in extremo "abzuliefern". Als guter Manzoni-Schüler gebe ich aber dem Kunstmarkt gleichzeitig auf ironische Weise Futter: Ja, die Staubtaler sind ein erstklassiges Spekulationsobjekt, es wird nur neunzig Stück geben, der aktuelle Ausgabe-Wert beträgt derzeit eintausend Euro und die mögliche Wertsteigerung der Staubtaler macht sie zu einer im Vergleich zu Aktien und Aktienfonds deutlich attraktiveren Wertanlage, denn sie verfügen über ein exponentielles Wertsteigerungspotenzial, von der andere Anlagearten nur träumen können. Manzoni verkaufte seinerzeit neunzig Stück seiner eingedosten Exkremente als ironischen Verweis auf den bröckelnden Gold-Standard des Dollar gegen ihren damaligen Gegenwert in Gold - meine Staubtaler im Format der ehemaligen Doppelgoldtaler verwandeln umgekehrt symbolisch Gold zu Staub und versprechen dennoch einmal mehr wert zu sein als ihr heutiger Gegenwert in Gold.

-> Erhältlich hier im Shop - nur solange der Vorrat reicht.

Und hier ist das virale Video dazu - spread the word!
https://www.youtube.com/watch?v=X8RME1_UKGU


Video "Tenderness"

(2014; Videoinstallation; 0:33 Min.; Dimensionen variabel)



https://myspace.com/tankred.tabbert.art

Für das Video gibt es aus Jugendschutzgründen hier leider keine Vorschau. In dem Video geht es einerseits um das Thema Liebe und Zärtlichkeit in drastisch lieblosen Situationen, in denen man "tenderness" nicht erwartet hätte, andererseits lebt das Video von einem lehrbuchmäßigen Kontrast zwischen Bild und Ton. Ein Video über die Hoffnung auf ein unerwartetes Aufblitzen der Liebe.


Serie "Todesorte - Media vita in morte sumus" 
(2014-2015; Digiprints; Dimensionen variabel)

Ein schwieriges Thema, das an die Nerven geht, ich weiß. Einerseits leben wir in einer Erlebnisgesellschaft, die den Tod nach Kräften verdrängt, andererseits wurde in meiner unmittelbaren Umgebung der Tod - egal ob durch Verkehrsunfall oder Mord verursacht - in der letzten Zeit immer wieder mit Nachdruck öffentlich. Manche der Ereignisse waren selbst für Außenstehende nur schwer auszuhalten. Hinterbliebene kämpfen gegen das Verdrängen und Vergessen durch die Öffentlichkeit, halten die Erinnerung an die Verstorbenen wach, doch vielleicht wäre die "Massenseele" gar nicht in der Lage, ohne die Verdrängung der schrecklichen Ereignisse weiter zu existieren bzw. - vor allem - zu funktionieren? 
Ich will nicht werten oder Partei ergreifen, mir geht es als Künstler darum, eine in der Geschichte der Kunst sehr alte Tradition mit digitalen Medien fortzuführen: Media vita in morte sumus - der Tod ist, ob wir dies sehen wollen oder nicht, stets gegenwärtig, oft allerdings in unserem Alltag unsichtbar. Ich fotografiere die Todesorte daher "danach" - scheinbar unscheinbare, höchst banale, beliebige Orte, um die Tatsache des "media vita in morte sumus" sichtbar zu machen. Eine 13-teilige Serie gegen das Verdrängen und für eine "holistische" Sicht auf das Leben. Für Sarah und all die anderen, die nicht mehr bei uns sind.




 











Serie "Virtuelle Schatten" / "Virtual Shadows" 
(2014; Digiprints; Dimensionen variabel)

Die Serie ist ein Beitrag zur 19. Ausstellung des Kottwitzkellers, die das Motto "Schatten" trug und vom 30.-31. 2014 August in Hamburg stattfand (es war mir ein besonderes Vergnügen!) und beschäftigt sich mit der zunehmenden Verschmelzung von virtuellen Räumen und “real life”, die wir im Alltag meist kaum bemerken. Jeder kennt das “Ladesymbol”, das auf so gut wie allen digitalen Geräten erscheint, mit denen wir ständig zu tun haben. Das Symbol markiert eine Grenze und einen Übergang zwischen “real life” und virtuellen bzw. errechneten (Daten-)Räumen. Mich faszinieren seit langer Zeit Autoren wie Hilary Putnam, Oswald Wiener, Philip K. Dick oder William Gibson, die sich auf ihre jeweils eigene Art und Weise gefragt haben, wie wir wissen können, dass wir nicht alle bloß “Gehirne im Tank” sind - also errechnete, simulierte Entitäten, die um ihre Virtualität bzw. Artifizialität nichts wissen können. Oder doch? Und wenn ja, wie?
     
In der Literatur und den auf ihr basierenden Kinofilmen gibt es häufig einen Moment, in dem der Protagonist ein „Aha-Erlebnis“ hat - es stimmt etwas nicht im „System“ und in einem verräterischen Moment wird klar, daß alles eine große Simulation ist. Ein Ladezeichen im „real life“ wäre solch ein Moment, der einen stutzig machen müsste... Also habe ich Ladezeichen im „real life“ installiert, einerseits an vollkommen „analogen“ Orten, wo der Verblüffungseffekt am größten ist und andererseits dort, wo die Digitalisierung und Virtualisierung aller Lebensbereiche bereits so unsichtbar wie allumfassend geworden ist.

Mit der Anbringung des Ladesymbols wirft die Virtualität so ihren Schatten in das „real life“ voraus und wird dadurch überhaupt erst sinnlich erfahrbar.

















Weitere Informationen zur Ausstellung gibt es hier: http://www.kottwitzkeller.de/virtual_shadows.html



Video-Serie "Virtual Zen-TV"

(2014; 2 Videoinstallationen; je 5:08 Min.; Dimensionen variabel)



https://www.youtube.com/watch?v=fjPJUB_HubQ
https://myspace.com/tankred.tabbert.art


https://www.youtube.com/watch?v=3jgWWpLN1J4
https://myspace.com/tankred.tabbert.art

Fortsetzung meiner ersten Zen-TV-Videos (siehe weiter unten) unter dem Einfluss meiner Serie "Virtuelle Schatten" ("Virtual Shadows"). Bei dieser Serie geht es um die Verschmelzung von "real life" und "virtual realities". Die beiden "Virtual Zen-TV"-Videos sind sozusagen "Zen-TV" für das Zeitalter virtueller Relitäten - einmal mehr aus einer eher traditionellen, orthodoxen Perspektive (Silent Flavour), einmal mehr aus einer mehr westlich-urbanen Perspektive (Urban Flavour)... mit etwas Glück verhelfen sie Dir überall, wo Du Deine digitalen Medien dabei hast zu einer "Trance im vollkommenen Wachzustand".


Serie "Ästhetik der Gewalt"

(Seit 2010; Digiprints; Dimensionen variabel)

Ich lehne Gewalt ab - ihre mitunter ästhetischen Qualitäten lassen sich aber dennoch nicht verleugnen. Im besten Falle legen sie "Elementares" im Jüngerschen Sinne frei ohne dabei an Fragwürdigkeit und Hinterfragungswürdigkeit einzubüßen.


"Ästhetik der Gewalt #1" (2010)


"Ikonologie des ausgebrannten Kapitalismus" (2014)


"04/2015" (2015)



Serie "Die Unsterblichkeit der Kunst"
(2014; Digiprints; Dimensionen variabel)

Alle Kunst will Ewigkeit - und vor allem wir Künstler unsere Form von "Unsterblichkeit". Einigen von uns ist das auf die ein oder andere Art vergönnt: In Museen, Sammlungen oder besser noch in den Köpfen und Herzen von Menschen, denen Kunst etwas bedeutet. Und hier sind "die anderen" unter uns: 









"Regen-Video"

(2014; Videoinstallation; 2:36 Min.; Dimensionen variabel)


https://www.youtube.com/watch?v=atLcyI9tuKc

https://myspace.com/tankred.tabbert.art

Nein, sooo oft regnet es bei uns in Hamburg auch wieder nicht... aber wenn doch: Der Regen kann uns mit seiner Schönheit gelegentlich auch positiv überraschen. Please enjoy...



Video "Meine Helden"

(2014; Videoinstallation; 2:36 Min.; Dimensionen variabel)



Ein Ausschnitt aus der Sammlung meiner persönlichen "Helden" - deren Werke, Worte, Taten mich zu irgendeinem Zeitpunkt meines Lebens entscheidend inspiriert und meinem Leben eine neue Wendung gegeben haben. Vielleicht inspirieren sie auch euch... Ach ja: Es ist zwar nur eine "Heldin" dabei, aber in ihrer Bedeutung wiegt sie die "Jungs" locker auf.

Wie immer auf Youtube ist die Version mit Hintergrundmusik zensiert: https://www.youtube.com/watch?v=8rnX_y5PEDQ; die unzensierte Version mit Sound gibt es hier: https://myspace.com/tankred.tabbert.art




Serie "Der Wille zur Kunst"
(Seit 2014; Digiprints; Dimensionen variabel)

Nur im Spiel und in der Kunst sind wir wirklich frei - und manchmal finde ich als Künstler Spuren des menschlichen "Kunst-Instinkts" einfach so und immer wieder an völlig unerwarteten Orten:











Serie "Das Leben der anderen"
(Seit 2014; Videoinstallation; 1:56 Min. sowie Digiprints; Dimensionen variabel)


https://www.youtube.com/watch?v=K6N9wTDDcqE

Eine Serie bestehend aus einem Video und mehreren Fotografien , das durch den letzten Teil von Hermann Brochs Romantrilogie "Die Schlafwandler" inspiriert wurde:
"Die Haustore sind wie schwarze Löcher. In einem steht, an die Tür gedrückt, ein Liebespaar, aus einem andern löst sich ein Hund und läuft auf drei Beinen die Straße hinauf; an der Ecke verschwindet er. Hinter manchen Fenstern brennt noch spärliches Licht, - was aber geht hinter den unbeleuchteten vor?" -

Ich wüßte in dieser und ähnlichen Situationen gerne, welche Lebensgeschichten sich hinter den Fenstern abspielen, befürchte aber, dass, wenn ich sie kennen würde, diese mich am Ende langweilen würden - oder vielleicht gar entsetzen. So bleibt mir und den Zuschauern des Videos nichts anderes übrig, als die fehlenden Geschichten mir selbst auszudenken anhand der vorgefundenen Lebens-Spuren der anderen. Die Lebensgeschichten bleiben so in einer fiktiven Schwebe zwischen Realität und Fiktion, wobei ich diesen fiktiven Schwebezustand spannender finde als die (mitunter banale) Realität, weil er meines Erachtens in der Überschneidung von Realität und Fiktion den Blick für das "Wesentliche" schärft. Der Titel der Serie zitiert übrigens einen Film, den ich gerne empfehle und mit diesem Zitat möchte ich darauf verweisen, dass ich die von mir Beobachteten mit der gleichen heimlichen Sympathie beschattete wie der Held des gleichnamigen Films.

Wer sich mehr für einen dokumentarischen Ansatz rund um dieses Thema interessiert, dem sei der Film "24h Berlin - Ein Tag im Leben" empfohlen. Wie Döblin und Joyce in der Literatur versuchten die Filmemacher 2008 einen Tag im Leben Berlins quer durch alle Schichten festzuhalten. Der Film bietet viele wertvolle soziologische Erkenntnisse über die deutsche Gesellschaft der Gegenwart, weshalb ich ihn sehr empfehle. Aus künstlerischer Sicht ist besonders interessant, dass der Film gerade aufgrund seiner hervorragenden Umsetzung des Konzepts sehr anschaulich die Grenzen des Genres Dokumentarfilm zeigt, denn auch der authentischste Dokumentarfilm kommt in seiner Machart nicht ohne fiktionale Elemente aus - von der Auswahl der Orte, Personen, Ereignisse, der Perspektive, der filmischen Darstellung der "erzählten Zeit", der filmischen Umsetzung von Gleichzeitigkeit etc. des Dargebotenen bis hin zur Selbstdarstellung der beobachteten Personen.

Für einen nicht-dokumentarischen, sondern künstlerischen Ansatz ist Brochs Ansatz daher für mich aus den genannten Gründen nach wie vor ein sehr geeigneter Ausgangspunkt. Und hier eine kleine Auswahl der Fotos:




























Und der Herr, der gleich weiter unten zu sehen ist, holte umgehend die Kamera heraus, fotografierte mich mehrmals (ich winkte und lächelte freundlich) und rief sogleich die Polizei. Auf meine Nachfrage, was ihn dazu veranlasste, verlieh er seiner Besorgnis Ausdruck, ich sei Mitglied einer Einbrecherbande, die durch meine Fotografien geeignete Opfer ausspähe. Als ordentlicher Künstler konnte ich mich natürlich per Visitenkarte als Künstler ausweisen und gleichzeitig noch eine Einladung für meine kommende Ausstellung (nur wenige Tage später) überreichen. Meiner Einladung zu Kaffee und Kuchen oder alternativ einem Glas Wein anlässlich der Ausstellung ist der Herr leider nicht nachgekommen...  Bedauerlicheweise konnte er mir für die Zukunft auch nicht die Frage beantworten, wie denn ein typischer Einbrecher oder ein typischer Künstler aussehe... schade. Womit wir wieder bei meiner Serie über die Verdächtigen wären (siehe unten)...



"C'è sempre un motivo per tornare a capire..." wie mein alter Freund Adriano Celentano einmal meinte, der übrigens auch sehr verdächtig aussieht.



Serie "Sticker"

(Seit 2014; Digiprints; Dimensionen variabel)


Digitale Medien haben das Problem, sich zu ordentlichen, sprich effektiven "push-Medien" zu entwickeln, immer noch nicht befriedigend gelöst. Sticker sind push-Medien par excellence, sie nötigen sich uns im Stadtraum auf, stehlen ungefragt unsere Aufmerksamkeit, gehen aber auch in der Masse unter, werden entfernt von Ordnungsmächten und deren Vollstreckern, oft aber auch von der Konkurrenz oder den Witterungsverhältnissen. An ihnen kann man auch sehr schön beobachten, wie der "Krieg der Diskurse" tobt im öffentlichen Raum, sie sind aber gleichzeitig auch "Zeitzeugen" von kurzer Lebensdauer und immer wieder ebenso ein Mittel für uns Kreative, mit dem wir uns die Stadt als "showroom" aneignen. Eine Serie gegen das Vergessen.


















Serie "Das Fotografieren fotografieren"
(Seit 2014; Digiprints; Dimensionen variabel)


Das Fotografieren - ein magischer Moment, in dem in den Fotografierenden und mit ihnen etwas Besonderes vorzugehen scheint... eine Spurensuche:












Serie "Das Leben der Dinge"
(2014; Videoinstallation; 3:05 Min.; Dimensionen variabel)


http://www.youtube.com/watch?v=1cagvv3tpEM&feature=youtu.be

„The electric things have their lives, too. Paltry as those lives are.“ schrieb Philip K. Dick 1969 in seinem Weltklasse-Roman „Do Androids Dream of Electric Sheep?“. Ich stimme ihm zu und sehe seitdem viele „Dinge“ anders, woraus sich die Entstehung dieses Videos erklärt.



Video "Die Lottozahlen der kommenden Woche"
(2014; Videoinstallation; 0:26 Min.; Dimensionen variabel)


http://www.youtube.com/watch?v=eVs6Euv6R-s&feature=youtu.be

"Virales" Video, das Dir tatsächlich die Lottozahlen der kommenden Woche verrät - in echt! Du brauchst Dich nicht bei mir zu bedanken, es genügt mir vollkommen, wenn Du an Dir selbst beobachtest, was in Dir drin passiert, wenn Du die Lottozahlen der kommenden Woche kennst...



Video "Zeit-Symphonie"
(2014; Videoinstallation; 5:09 Min.; Dimensionen variabel)


http://www.youtube.com/watch?v=n9OLpkKCydM&feature=youtu.be

Zen-inspiriertes Video. Es geht darum, nur zu hören und die Feinheiten des Rhythmus und die Nuancen der sich entwickelnden Klanggebilde, den Wechsel im scheinbar immer Gleichen nach besten Kräften wahrzunehmen.



Serie "Fehlkäufe (Pornographie des Konsums)"
(Seit 2014; Digiprints; 10 x 15 cm)

Bislang 43-teilige Serie authentischer Fehlkäufe, wie so oft bei meiner Kunst auch hier nicht ironiefrei, aber auch angelegt als Feldforschung und Archiv unserer Gegenwart. Die Bilder dieser Fehlkäufe haben deshalb für mich viel mit Pornographie gemeinsam, weil sie das Abgebildete unbedingt verkaufen wollen, es schmackhaft machen wollen, niedere Kauf-Gelüste und Instinkte zu triggern versuchen, so tun als ob sie offen alles zeigen, obwohl sie inszeniert sind und oft einen unfreiwillig intimen Charakter offenbaren.

Für mich war das Erstellen der Serie insofern lehrreich, als die Bilder meine Vorstellung davon, was es wirklich bedeutet, in einer Konsum-Kultur zu leben, deutlich erweiterten. Nein, als Durchschnittskonsument macht man sich keine Vorstellung davon, was alles für uns hergestellt wird. Fehlkäufe bedeuten aber auch das Scheitern der Konsum-Kultur in seiner tragischsten Form. Die Bilder von Fehlkäufen sind die Katharsis dieses Scheiterns und führen das Gekaufte und Ungewollte wieder dem Konsumkreislauf zu.


























Serie "Party People"
(2014; Digiprints; 44,5 x 58,5 cm)

Drei Parties mit drei DJs auf drei Ebenen - für mich besteht bei diesen und ähnlichen Anlässen der magische Moment jedoch schon seit eh und jeh weniger in der Exstase auf dem Tanzboden, sondern in dem Augenblick, wenn nach durchtanzter und durchzechter Nacht brutal die Lichter wieder angehen: Melancholie nach der Exstase, geplatzte Träume, die Härte des Lichts und der Realität... Für mich ist dieser Augenblick ein ganz besonderer, eine Art Wiedergeburt... kostbar, trotz seiner Hässlichkeit, die Bilder vor den Augen und im Kopf beginnen zu verschwimmen, aber dieser Moment hat für mich gerade deshalb seine eigene Ästhetik. Und wie komme ich ausgerechnet zu diesen Bildern? Mit der Party-Ekstase ist es wie mit dem Wind - sie selbst ist unsichtbar, sie ist nur erkennbar an ihren diversen (Aus-)Wirkungen und Spuren:
















Video "Autobahn"
(2014; Videoinstallation; 2:45 Min.; Dimensionen variabel)



Die dargestellte Szene hat mich an das flash-Video „Autobahn“ der Band „Kraftwerk“ erinnert. Gleichzeitig wollte ich meinerseits daran erinnern, wie stark „die Autobahn“ die deutsche Mentalität und ich glaube auch in vielerlei Hinsicht das beeinflusst hat, was man aus der Außenperspektive als eine Art typische Ästhetik der Deutschen bezeichnen könnte. Das Video gibt es hier zu sehen
http://www.youtube.com/watch?v=EoDtVKT_rV4&feature=youtu.be und hier
https://myspace.com/tankred.tabbert.art/video/autobahn/109512248?mri=112186322



Video "Un-Autobahn"
(2014; Videoinstallation; 1:58 Min.; Dimensionen variabel)


https://www.youtube.com/watch?v=bCvWTcwrblo


"Gegenstück" zu meinem vorausgegangenen "Autobahn-Video", in dem es auf die hier dargestellte paradoxe Weise um die Erfahrung der "Leere" geht. Einfach mal reinziehen, wirken lassen und... please enjoy!


Video "Über den Schatten springen"
(2014; Videoinstallation; 0:53 Min.; Dimensionen variabel)



In diesem Video springe ich über meinen eigenen Schatten! Das Video ist ein Beitrag zur 19. Ausstellung des Kottwitzkellers, die in diesem Jahr das Motto "Schatten" trug und vom 30.-31. August in Hamburg stattfand.

Das Video könnt ihr hier sehen: https://www.youtube.com/watch?v=ImbvfVTtU1Q
und wie immer auf meinem myspace-Kanal:https://myspace.com/tankred.tabbert.art

Weitere Informationen zur Ausstellung gibt es hier:http://www.kottwitzkeller.de/shadowjumper.html






Video "One Minute Walk" (Winter)

(2014; Videoinstallation; 1:07 Min.; Dimensionen variabel)


http://www.youtube.com/watch?v=DMuLQXABHCU
https://myspace.com/tankred.tabbert.art/video/one-minute-walk-winter-/109496945?mri=112168251



Video "One Minute Walk" (Spring)
(2014; Videoinstallation; 1:06 Min.; Dimensionen variabel)


http://www.youtube.com/watch?v=YfHuqRKov7k&feature=youtu.be
https://myspace.com/tankred.tabbert.art/video/one-minute-walk-spring-/109512240?mri=112186317



Video "One Minute Walk" (Summer)
(2014; Videoinstallation; 1:10 Min.; Dimensionen variabel)


https://www.youtube.com/watch?v=D6VaRUbDBKQ
https://myspace.com/tankred.tabbert.art



Video "One Minute Walk" (Autumn)
(2014; Videoinstallation; 1:07 Min.; Dimensionen variabel)


https://www.youtube.com/watch?v=qCxGDjE24sQ



Serie "Deutschlands Wirtschaftsaufschwung 2014"
(2014; Digiprints; je 18,7 x 13,7 cm und Plakat 44,5 x 58,5 cm)


Ich weiß, politische Kunst ist für alle langweilig, die eine andere politische Einstellung haben und in der Regel auch vergleichsweise kurzlebig, denn wenn der Kontext oder der Anlaß sich gewandelt, wenn nicht gar verflüchtigt haben, ist diese Kunst nur noch für Geschichtsbegeisterte von Interesse. Dennoch: 
Als Künstler habe ich es nicht nur mit dem Aufbau und der Struktur von Bildern zu tun, sondern auch mit dem "Leben" der Bilder in den Köpfen der Betrachter und was sie dort womöglich alles anstellen.

Seit geraumer Zeit nehme ich die zunehmende Empörung, mitunter gar hochkochende Wut vieler Zeitgenossen zur Kenntnis, die in den Internet-Kommentarspalten der journalistischen "Massenmedien" sich darüber aufregen, dass die Darstellungen zur aktuellen wirtschaftlichen Situation in der Berichterstattung der "mainstream"-Medien sich einfach nicht mit den persönlichen Erfahrungen dieser Leser in Einklang bringen lassen. Auch ich erlebe diese Diskrepenz sehr augenfällig Tag für Tag und dies hat mich veranlasst, mich vor meiner eigenen Tür umzusehen: Hier die - ohne große Übertreibung oder Ironie - als Jubelmeldungen zu beschreibenden Nachrichten über den stetigen Aufschwung der deutschen Wirtschaft, dort die deprimierenden realen lebensweltlichen Erfahrungen vieler Menschen.
Als Künstler sehe ich meine Aufgabe auch darin, dort hinzusehen, wo andere wegschauen und wenn ich mich im Umkreis von 10km von meinem Wohnort im Hamburger Südosten umschaue, dann sehe ich dort kaum Anlaß für Begeisterung, obwohl Hamburg selbst eine prosperierende Stadt vorstellen soll. Die Bilder unter dem obigen suchmaschinenoptimierten Titel sollen daher neben Zeitdokumenten vor allem auch "Kontrastbilder" sein zur "Informationspolitik" in den Medien mit Millionen von Lesern bzw. Zuschauern und deren entgegengesetzter Realitätsbeschreibung...

Was stimmt jetzt? Meine - beabsichtigt simplen und plakativen - Bilder möchten einladen, einfach mit offenen Augen durch's Land zu gehen und selbst zu schauen.

Hoffen wir, dass eine der Kritzeleien auf den leeren Litfass-Säulen recht behält: "Darkness will not prevail".









































Als "virales" Video auch auf meinem Youtube-Kanal unter:
http://www.youtube.com/watch?v=9kWn7xpYdCM&feature=youtu.be

und dazu noch zwei Plakate (44,5 x 58,5cm; auch im Shop erhältlich):




Das Plakat gab mir Gelegenheit, nach über zwölf Jahren endlich mal wieder "minimal invasive Kunst" zu praktizieren:





Eine kostenlose elektronische Broschüre der gesamten Serie gibt es hier im Shop.


"Dust"
(2013; Staub auf Papier; 17x12cm)



Ich liebe Erwin Wurms frühe Staub-Bilder, in denen er mitten im öffentlichen Raum Vierecke aus Staub auslegte bzw. installierte und die, kaum fotografiert, gleich wieder vom Wind weggeweht wurden. Eine sehr drastische und wie ich finde höchst gelungene Veranschaulichung des Themas Vergänglichkeit. Für meine Arbeit bin ich den genau umgekehrten Weg gegangen: Mir geht es um den paradoxen Effekt, wenn etwas so vergängliches wie Staub auf einmal "dauerhaft" gemacht wird. Wenn etwas Vergängliches künstlich dauerhaft gemacht wird wie in diesem eigentlich "unmöglichen" Bild, wird die Vergänglichkeit des Objekts nur umso deutlicher für die Betrachter. Wichtig ist mir auch, dass das Wort "Dust" (Englisch für Staub) genau das bezeichnet, was es ist, nämlich Staub (für Intellektuelle: Signifikant und Signifikat sind hier identisch). Und weil meine Kunst selten ironiefrei ist, spielt das Bild natürlich auch mit dem tradierten Anspruch vieler Kunstwerke und Kunstinstitutionen, ganz bestimmten Künstlern, Mäzenen oder Stiftern ein Stückchen Unsterblichkeit zu verleihen.
   


Installation "Sich selbst reflektierende Medusa"
(2013; Installation mit Digiprints; je 12,5x17cm)





Zwanzig Jahre später als geplant, dafür mit umso größerem Genuss las ich Ende des Jahres 2013 Goethes italienische Reise und entdeckte, dass neben dem Zeichner Christoph Heinrich Kniep ich auch noch eine große Begeisterung für das gleiche antike Medusen-Haupt mit dem alten Arkadier teile (von Italien ganz zu schweigen). Anläßlich der Goethe-Lektüre nahm ich meine Beschäftigung mit der Medusa wieder auf und sie wurde mir zur "Musa". Die Idee, was wohl wäre, wenn sich die Medusa nicht im Schild ihres Bezwingers spiegeln, sondern selbst reflektieren würde, entstand quasi von selbst und die kleinformatige Installation leitet sich davon ab.


Video-Serie "Zen-TV"
(2013; Videoinstallation; 5:08 Min.; Dimensionen variabel)


https://www.youtube.com/watch?v=yeeAHbxvvMA

Du schaltest die Glotze an und möchtest einfach nur relaxen. Aber es kommt nur Mist im Fernsehen, das Zappen macht Dich ganz kirre. Gut, dass Du auf diese Seite gewechselt hast. Schon oft habe ich mir einfach mal ein kurzes Programm gewünscht, das entspannt, innere Ruhe und innere Kraft schenkt. Da ist mir natürlich Zen eingefallen, das für gewöhnlich vor einer weißen Wand praktiziert wird. Da ich als Künstler leider keinen Einfluß auf das Fernsehprogramm habe, schnappte ich mir einen alten Fernseher und funktionierte ihn einfach um. Meine etwas ironische Video-Installation zeigt so im Fernsehen eine weiße Wand - zum meditieren, sich sammeln, chillen, innerlich abschalten und einkehren. Vorbilder und Inspiration waren für mich die Arbeit „TV Buddha“ von Nam June Paik, die ich einmal vor Jahren in einer Ausstellung erleben durfte und die einfach klasse ist, Jan Dibbets "TV as a fireplace" von 1968/9 sowie das „Daishin Zen TV“ von Zen-Meister Hinnerk Polenski, in der häufig an Zen gestellte Fragen beantwortet werden (eine tolle Idee). Ich persönlich würde mir als Künstler wünschen, dass im Fernsehen statt Bier- und Bindenwerbung einfach mal für fünf Minuten eine weiße Wand gezeigt würde! Wäre bestimmt für viele eine Wohltat...



Video "Zen-TV" (Interaktive Version)
(2013; Videoinstallation; 5:08 Min.; Dimensionen variabel)


https://www.youtube.com/watch?v=yeeAHbxvvMA
http://www.myvideo.de/watch/9319351/Zen_TV_Interaktive_Version

Dieses Künstler-Video baut auf meiner Video-Installation „Zen-TV“ auf, die ursprünglich für eine Galerie-Umgebung entwickelt wurde. Sicherlich, man kann immer und überall auch ohne weiße Wand und Sitzkissen meditieren, mich hat als buddhistischer Künstler aber besonders die Eigenschaft des Internets gereizt, für viele Menschen heutzutage immer und überall erreichbar zu sein. Da wir in einer hektischen Welt leben mit hoher „Arbeitsverdichtung“ und dergleichen, möchte ich allen, die mobiles Internet dabei haben, eine weiße Wand für jederzeit und überall zur Verfügung stellen, mit deren Hilfe sie hoffentlich meditativ entspannen können und so innere Ruhe und frische innere Kraft tanken können. Aus ästhetischer Sicht geht es darüber hinaus darum, für die Betrachter, die schon einmal vor einer echten weißen Wand mit Sitzkissen meditiert haben, ein Gefühl für die vielfältigen Unterschiede zwischen "real life" und virtueller Realität zu wecken. Wer das Video komplett mitmacht, wird vielleicht auch an sich selbst beobachten, dass in unserer Epoche ganze fünf Minuten eine sehr lange Zeitspanne geworden sind. Es ist oft nicht einfach, sich fünf ruhige Minuten zu „stehlen“ und viele werden an sich selbst beobachten können, dass wir durch unsere heutigen Medien auf eine Aufmerksamkeitsspanne von unter drei Minuten „abgerichtet“ bzw. „konditioniert“ worden sind. Nebenbei will das Video auch diesen häufig anzutreffenden Sachverhalt wortwörtlich „vor Augen führen“...



Serie "Suspects" 
(2013; Digiprints; je 20,5 x 15,3 cm)



Das Jahr 2013 war das Jahr des NSA- und diverser weiterer Überwachungsskandale, die allerdings nicht die breiten Proteste auslösten, die ich erwartet hätte. Wie sich herausstellte, hatten noch die krassesten Verschwörungstheoretiker mit ihrer Paranoia deutlich untertrieben.

Aus künstlerisch-ästhetischer Sicht ist diese Überwachung nicht sinnlich wahrnehmbar, weil sie heimlich vonstatten geht, ohne dass die Betroffenen dies bemerken oder auch nur die Chance haben, davon zu erfahren. Mich befremdete, dass wir alle immer, überall und grundsätzlich zu Verdächtigen abgestempelt werden. Diese Vorgänge wollte ich in das Sichtbare hineinholen und mit meinen Arbeiten auf einfach zu verstehende Weise sinnlich erfahrbar machen.

Dazu habe ich gezielt und offensichtlich die Privatsphäre anderer Menschen verletzt (was die Geheimdienste verdeckt taten) und auf meinen Bildern die Verdächtigten tatsächlich mittels eines Stempels zu Verdächtigen abgestempelt. Deutlich wird sicherlich auch, dass sich die Überwachung und der Generalverdacht auf alle Lebensbereiche erstrecken. Für mich bleibt ein unangenehmes Gefühl, wenn Bürger ihrem Staat nicht mehr vertrauen können und der Staat mit seinen "Diensten" selbst zum Hauptverdächtigen aus Sicht seiner Bürger wird. Zu alledem passte, dass auch die Digitalfotos, die ich ausdrucken ließ, nummeriert, codiert und erfasst wurden... Aber schützt die totalitäre Überwachung nicht auch uns alle davor, eventuell einem Terroranschlag zum Opfer zu fallen?

Das Urteil möchte ich den Betrachtern überlassen, um aber diesen wichtigen Aspekt nicht zu vernachlässigen, ist auf einer der Arbeiten ein "echter" Verdächtiger abgebildet, der bis heute im Zusammenhang mit einem Sprengstoffattentat von der Polizei gesucht wird. Wer ist es? Woran erkennt man einen Attentäter? Sehen Attentäter irgendwie anders aus als alle anderen? Könnte es nicht jeder sein? Ich bin gespannt, ob ihr den echten Verdächtigen findet... wenn ja, lasst es mich wissen!

Ach ja, und eine alte Frage bleibt natürlich auch noch: Wer überwacht die Überwacher? Muss eine demokratische Überwachung der Überwacher eine Utopie bleiben oder haben wir es noch in der Hand, diese Utopie Wirklichkeit werden zu lassen?
































  



























"Regentropfen"
(2013; Digiprint; Dimensionen variabel)

Ein abgwandeltes Haiku, dass während einer schweren Erkrankung mitten in einer Fieberattacke einfach "da" war, genauso und wortwörtlich. Mehr kann ich nicht dazu sagen. Wer kreativ ist, kennt mit Sicherheit diese Art von "Eingebungen", die zu einem selbst gehören (auf jeden Fall neurologisch gesehen bzw. wenn man der neurologische Erklärung des Phänomens folgt), aber einem selbst dennoch ordentlich fremd sind, weil es sich anfühlt, wie wenn sie von "außen" gekommen wären. Der japanische "Windkünstler" Susume Shingu meinte vor kurzer Zeit in einem Gespräch ganz selbstverständlich (sinngemäß), dass er glaube, dass die meisten seiner Ideen in diesem Sinne von "außerhalb" kämen und er nur der Ausführende sei. Ich hielt dies immer für eine antik-europäische Vorstellung, die aber scheinbar auch am "anderen Ende der Welt" zu finden ist. Genug davon - please enjoy...





Serie "Mare" (2003 - heute)

Ich liebe das Meer und habe mich deswegen immer wieder auf verschiedene Arten damit beschäftigt.

Zunächst als Fotografien:


Mare "Timmendorf 2015" (2015; Digiprint hinter Acrylglas; 59,4 x 84,1 cm)



Mare "Haffkrug estate" (2012; Digiprint hinter Acrylglas; 59,4 x 84,1 cm)



Mare "Haffkrug inverno" (2011; Digiprint hinter Acrylglas; 59,4 x 84,1 cm)



Mare "Nave" (2010; Digiprint hinter Acrylglas; 59,4 x 84,1 cm)



Mare "Onda" (2009; Digiprint hinter Acrylglas; 59,4 x 84,1 cm)




"Haffkrug 4" (2009; Digitalfotografie; 52,5 x 72,5 cm)




"Westerland" (2007; Analogfotografie; 52,5 x 72,5 cm)

Unter anderem in Video-Form, das ihr hier sehen könnt:

"Meeres-Video"
(2013; Videoinstallation; 4:00,21 Min.; Dimensionen variabel)


http://www.myvideo.de/watch/9254692/Meeres_Video
https://www.youtube.com/watch?v=4AmKN7zRbAE

Das Video versucht eine ganz bestimmte Stimmung am Meer wiederzugeben... please enjoy!


Aber auch in Form von Kleinplastiken, den "Strandkugeln":

Strandkugeln mit einem Durchmesser von ca. 12 cm entstehen vor Ort am Strand im Herbst eines jeden Jahres aus dem Seetang, der in der jeweiligen Saison angespült wird. Es ist ganz erstaunlich, dass auch noch nach Jahren Sand aus den Strandkugeln sickert, wenn man sie ein wenig bewegt. Der typische Geruch verfliegt (leider) nach ungefähr 6 Wochen.






Serie "Mio Amburgo"
(2012 - heute)

Hamburg, meine Perle mio amore... dazu Fotos und Videos.




Mio Amburgo
"Alster" (2013; Digiprint hinter Acrylglas; 59,4 x 84,1 cm)





Mio Amburgo "Piccolo Paradiso" (2013; Digiprint hinter Acrylglas; 59,4x84,1cm)





Mio Amburgo "La Luna (Giorno)" (2013; Digiprint hinter Acrylglas; 59,4x84,1cm)





Mio Amburgo "La Luna (Notte)" (2015; Digiprint hinter Acrylglas; 59,4x84,1cm)




Mio Amburgo "Cielo Blu" (2013; Digiprint hinter Acrylglas; 59,4x84,1cm)

Ein azurblauer Himmel ist in Hamburg vielleicht nicht gerade die Regel, aber es gibt ihn!


"Alster-Video"

(2013; Videoinstallation; 5:09,16 Min.; Dimensionen variabel)


http://www.myvideo.de/watch/9255373/Alster_Video
Auf Youtube in Deutschland zensiert wegen der Musik im Outro(!):
https://www.youtube.com/watch?v=87cquMzopOE

Das Video lebt vom Kontrast zwischen der eher meditativen Stimmung, die die zarten Wellen der Alster verbreiten und dem Lärm der betriebsamen Metropole im Hintergrund. Gegen Ende des Videos kann jede/r an sich selbst beobachten, wie die dazukommende und wieder verschwindende Musik unsere Wahrnehmung der (immer noch gleichen) Bilder ganz grundlegend verändert.


"Logistik-Video"
(2013; Videoinstallation; 5:22 Min.; Dimensionen variabel)


http://www.youtube.com/watch?v=naClrDGIF1s&feature=youtu.be


Hamburgs Haupteinnahmequelle ist seit Jahrhunderten Handel und Logistik. Für uns alle ist es selbstverständlich, jeden Tag frische Lebensmittel im Discounter anzutreffen und die online-Bestellung sollte am besten noch heute ankommen. Doch was steckt dahinter? Was bedeutet es für eine Stadt und die Menschen, ein "Logistik-Drehkreuz" zum Lebensmittelpunkt zu haben? Meine Aufgabe als Künstler sehe ich unter anderem darin, auf vermeintlich alltägliche Ereignisse einen neuen Blickwinkel zu werfen oder aber auch, dorthin zu schauen, wo die meisten Menschen wegsehen. Hälst Du fünf Minuten Logistik aus? Für alle, die durchhalten, gibt es einen supereleganten Perspektivenwechsel in der Mitte des Videos. Please enjoy!


"Schneeflocken-Video"
(2014; Video-Installation; 5:09 Min.; Dimensionen variabel)


https://myspace.com/tankred.tabbert.art/video/schneeflocken-video/109514871?mri=112189573



"Wolken-Video"
(2013; Video-Installation; 5:09 Min.; Dimensionen variabel)


https://www.youtube.com/watch?v=T_nBQHL2Juk

Hamburg ohne Wind ist undenkbar. Aber den Wind selbst kann man ja nicht sehen, nur anhand seiner Wirkungen. Hier wird der Wind sichtbar durch sein furioses Spiel mit den Wolken, was in Hamburg vor azurblauem Himmel leider nicht so oft zu beobachten ist. Das Video möchte einladen zum entspannenden und gerne auch meditativem Betrachten der Wolken über der selbsterklärten schönsten Stadt der Welt.


"Fallende Blätter-Video"
(2013; Video-Installation; 3:11 Min.; Dimensionen variabel)


http://youtu.be/Tc0mAGXkYO0

In der Hektik unseres Alltags bleibt uns oft kaum Zeit, bewusst den Wandel der Jahreszeiten wahrzunehmen. Das Video möchte einladen, genau dies zu tun. Für den einen mögen die fallenden Blätter ein Memento Mori sein, für andere die Vergänglichkeit des Daseins vor Augen führen, die Schönheit des Herbstes veranschaulichen oder Vorfreude auf den Schnee symbolisieren... lasst eure Gedanken einfach schweifen. Please enjoy!



Serie "Orte, an denen ich pisste"
(2013-2015; Digiprints; je 18,7 x 13,7 cm)


Meine bislang persönlichste Serie, begonnen in der Tradition Piero Manzonis und zunächst inspiriert durch meinen Wunsch, einmal in einer ehemaligen Bedürfnisanstalt auszustellen. Aber indirekt auch wieder eine ein wenig zeitkritische Arbeit. Wer ernst macht mit dem Vorsatz, so oft wie möglich das Auto durch das Fahrrad zu ersetzen und dabei oft stundenlang quer durch die Stadt unterwegs ist, wird bei uns aufgrund des Schwundes öffentlicher Bedürfnisanstalten böse Überraschugnen erleben, wenn ihn - Kultur versus Natur - ein menschliches Bedürfnis überkommt. Peinliche Situationen gilt es auszuhalten, denn die Natur siegt immer. Andererseits lernte ich so aber auch ein "anderes" Hamburg kennen, die "Schattenseite" des Elbvenedigs gar bei hellichtem Tag - das Hamburg der Schmuddelecken und verfemten Orte mitten in der selbsterklärten schönsten Stadt der Welt, die als "blinde Flecken" auch in der Nähe der schönsten Stadtlagen geflissentlich ignoriert werden. Zu meinem Glück... Gleichzeitig sind diese ausgeblendeten Orte mitunter aber auch letzte Refugien einer Schwundstufe von Natur in unserer urbanen Zivilisation (gelegentlich erschreckte ich unabsichtlich Stadt-Kaninchen, von denen eines auf seiner Flucht mein Fahrrad mit voller Wucht umrannte...) und so verbreiten diese Schwundstufen von Natur in der Stadt gleichzeitig ihren eigenen Charme, der sich an keine stadtplanerischen Vorgaben hält. Unfreiwillig macht die Serie aber auch die enorme städtebauliche Dynamik Hamburgs sichtbar, denn viele der Orte existierten bereits wenige Monate nach ihrer fotografischen Dokumentation nicht mehr.

Hier ist nur ein winzig kleiner Ausschnitt zu sehen(!), eine eigene kleine Publikation ist im Shop zur Ausstellung der Serie in der Hamburger "Bedürfnisanstalt" erhältlich. Die e-book-Variante gibt es sogar kostenlos.




















Arbeiten aus den 1980er-, 1990er- und 2000er-Jahren:


Die meisten Arbeiten sind verschollen und ich muss mich hier auf eine Auswahl von Arbeiten beschränken, von denen zufällig Fotografien erhalten geblieben sind. Die Titel lassen sich häufig nicht mehr feststellen, auch nicht immer das genaue Entstehungsjahr, gelegentlich jedoch das Format. Alle Angaben nach bestem Wissen und Gewissen. Falls jemand weiß, wo die Arbeiten sich heute befinden, falls sie noch existieren, wäre ich für Hinweise dankbar. Und so sahen die Anfänge aus (Schmunzeln ausdrücklich erlaubt!)... wie immer "umgekehrt chronologisch", soweit sich dies rekonstruieren ließ:




"The Creation of Robo Sapiens"
(2002; Computergrafik; Dimensionen variabel; (banale) Auftragsarbeit für ein wissenschaftliches Buch über künstliche Menschen mit freundlicher Unterstützung des Heinz-Nixdorf Museums Paderborn, das den Roboter im Rahmen einer Ausstellung über künstliche Menschen mir freundlicherweise kurz zur Verfügung stellte)




Mein Beitrag für den "Internationalen Medienkunstpreis 2001" des "Zentrums für Kunst und Medientechnologie" Karlsruhe unter technischer Mitwirkung von Siegfried Hopf (nochmals ganz fetten Dank Siggi!).
Das Thema lautete "Control space - Die wachsame Gesellschaft" (das Thema scheint mich zu verfolgen).

In meinem Wettbewerbsbeitrag ging es darum, dass alle führenden Medienwissenschaftler der damaligen Zeit den Bildern (egal ob anolog oder digital) jegliche Beweiskraft absprachen, die "Realität" - wie auch immer - beweisen zu können.

Wenn ich aber mit meinem Auto geblitzt wurde, wollte sich der zuständige Verkehrsrichter dieser wissenschaftlichen Lehrmeinung einfach nicht anschließen.
In einer Mischung aus Ironie und Provokation habe ich daher den Spieß umgedreht und mit einer Verkehrsüberwachungskamera meine damalige Stadt abfotografiert - und so endlich Aufnahmen erzeugt, die die Wirklichkeit meiner Stadt zweifelsfrei belegen, sozusagen amtlich, nämlich "erkennungsdienstlich". Der "clash" dieser Diskurse harrt bis heute darauf, den Rasern dieser Welt in ihrem asozialen Treiben beizustehen.

Warum ich den ersten Preis damals nicht gewonnen habe, ist mir bis heute ein Rätsel... :=)








Objekt zu einer Aktion meiner "minimally invasive art" aus dem Jahr 2000. Angeregt durch minimal invasive Technologien in der Medizin wollte ich das Konzept auf die Kunst übertragen, wobei mich damals Kunst beschäftigte, die einen starken Bezug zum Alltag hat, insbesondere zur sogenannten Erlebnisgesellschaft und die dabei gleichzeitig eingefahrene Wahrnehmungsweisen hinterfragt. Die Aktion verlief so:
Ich kaufte in einem Supermarkt mehrere Packungen Milka-Schokolade (ca. 16x7,5x1cm) und färbte auf einer der Umverpackungen die lila Kuh in die korrekte Farbe um (seinerzeit mit Wachsmalstiften wegen dem Oberflächeneffekt). Ich ließ die korrigierte Umverpackung als Laserdruck vervielfältigen und erhielt so neue, kuhbraune Hüllen für meine Milka-Tafeln. Ich verpackte die Milka-Schokoladen originalgetreu in die kuhbraunen Hüllen und trug die korrigierten Milka-Tafeln in den Supermarkt zurück, in dem ich die Schokoladen gekauft hatte und legte die Tafeln wieder in das Regal zurück, aus dem die Schokoladen stammten. Für kurze Zeit war die Schokolade so mit einer braunen statt einer lila Kuh erhältlich. Ich verschenkte einige Tafeln an Freunde. Die Schokolade (im Kuhflecken-Design, das ich sehr hübsch fand) schmeckte allen Beschenkten sehr gut, weniger als 20% der Beschenkten merkten, dass diesmal die Kuh die richtige Farbe hatte. Der Verkauf der ausgetauschten Milka-Tafeln verlief ohne Zwischenfälle. Auf der Rückseite befand sich ein gut lesbarer, verhältnismäßig großer Aufkleber, der die Tafeln als minimal invasive Kunst auswies. Ich arbeitete damals und auch noch danach häufig unter dem Label "artislife", da dies für mich eine Art Lebensmotto darstellt. Die hier abgebildete Schokolade zeigt die nach derzeitigem Erkenntnisstand einzige verbliebene vollständige Tafel (weder verzehrt noch vergammelt) aus der Aktion in ihrem heutigen Zustand. Weitere einzelne Hüllen sind andernorts noch erhalten (ich danke Andreas Bressmer für den Hinweis).




"Maltisch" in meinem Atelier in den 1980er-Jahren. Das Atelier gab ich erst Anfang der 1990er-Jahre auf. Es fiel mir schwer, die von mir geliebte Haptik der Öl- und Acrylfarben zugunsten digitaler Werkzeuge aufzugeben (den Geruch der Farben und Bindemittel fand ich nicht immer so prickelnd), da ich sehr gerne viele Farben selber herstellte, so wie viele Leinwände auch. Ich habe danach zwar nur noch sehr selten wieder einen Pinsel in die Hand genommen - aber das "feeling" fehlt mir manchmal...




"Des deutschen Arbeiters Paradies" - Teil einer Serie, die von 1992 - 1994 entstand. Die Hinwendung zur Fotografie war noch eine sehr zögerliche in Gestalt von mit Ölfarbe übermalten Analogfotografien. Die Arbeit basiert auf meinen Erfahrungen als Fabrik- und Lagerarbeiter in dieser Zeit. Tatsächlich war das Klo unser kleines Paradies im Sinne eines Flucht- und Rückzugsortes, an dem wir eine Auszeit von der Maloche nehmen konnten (vor allem, um zu rauchen), was mitunter zu heftigen Auseinandersetzungen um dieses Privileg führte. Die Serie war so aufgebaut, dass ein übermaltes Foto den Titel der Arbeit "rüberbrachte" und daneben ein Stück Farbfläche mittels seiner Oberflächenstruktur und der Farbwahl das dazugehörige Gefühl transportieren sollte. Die wunderschönen Messingschilder am Rahmen ironisieren den musealen Status von Kunst und protestieren mit den vorgegebenen Lebensdaten des Künstlers gegen das alte Problem, dass viele Künstler erst nach ihrem Ableben die gewünschte Anerkennung fanden (und finden); da die Rahmen selbstgebaut sind und dies für mich eine Premiere war, variieren die Abmessungen mitunter leicht (Pigment, Holz, Ölfarbe, farbige Analogfotografie; 63 x 133 cm).




"Nothing left to hent" aus der gleichen Serie, inspiriert durch Kurzgeschichten eines Freundes, die viele, viele Jahre später unter dem Titel "Tanzbefehl" erschienen (farbige Analogfotografie, Holz, Schellack; 63 x 131 cm)



Detail aus "Nothing left to hent"




"Irmensul" aus der gleichen Serie. Das sehr alte Wort bedeutet so viel wie Heiligensäule; dargestellt ist auf dem Foto ein phallusartiger Fabrikschlot. Die Arbeit ist ebenfalls inspiriert durch meine Erfahrungen als Fabrikler (Holz, mit Ölfarbe übermalte farbige Analogfotografie, ziegelfarbenes Pigment; 63 x 133 cm).




"273 philosophers killed in an accident" aus der gleichen Serie, diesmal inspiriert durch erste geisteswissenschaftliche Studien auf den Gebieten Philosphie, Semiotik und Kulturgeschichte (mit Ölfarbe übermalte farbige Analogfotografie, Holz, rotes Pigment; 63 x 133 cm).



Detail aus "273 philosophers killed in an accident"




"Universal Pictures" - für mich persönlich eine meiner wichtigsten Serien. Mit dieser Serie beendete ich für mich das Thema Malerei auf eine Weise, mit der ich bis heute vollauf zufrieden und sehr glücklich bin. In dieser zwischen 1991 und 1993 entstandenen Serie geht es darum, dass alle Bilder (vor allem Gemälde) letztlich aus diesen drei Farbpigmenten zusammengesetzt sind, die ich in nach meinen Plänen speziell angefertigte Acrylglas-Behälter abgefüllt habe. Der Titel leitet sich aus diesem Gedanken ab, dass in einem etwas verallgemeinerten Sinne aus diesen drei Bildern in letzter Konsequenz alle (realen) Bilder gemacht sind, die es jemals gab und jemals geben wird. Sichtbar wird auch die Materialität des Pigments, die mich immer sehr fasziniert hat - leider ist das gelbe Pigment giftig. Wichtig war mir auch, die Grenze zwischen Malerei und Skulptur verschwimmen  zu lassen, also Bilder zu gestalten, die gleichzeitig wie Skulpturen einsetzbar sind und skulpturale Eigenschaften besitzen, so wie dies einige meiner Vorbilder auf andere, faszinierende Weise vor mir getan hatten und auf diesem Gebiet der Kunst meine eigene Lösung dieser künstlerischen Aufgabe zu finden (Pigment, Acrylglas; 60 x 140 x 4 cm).



Detail eines "Universal Picture"




"Down the drain" aus dem Jahre 1993 (mit Ölfarbe und Lackstift übermalte farbige Analogfotografie, Metallschild; 60 x 84 cm)




"Op. 36" aus dem September 1991, benannt nach dem gleichlauteten klassischen Musikstück und beeinflusst von der Lektüre Baudelaires. Entstanden in einer Zeit, in der ich das Malerei-Studium zugunsten eines "richtigen" Studiums aufgeben musste, da die Malerei mich zwar faszinierte, aber definitiv nicht "mein Ding" war. Die Neuorientierung fiel mir sehr schwer und es dauerte Jahre, bis ich zu meinen neuen (wissenschaftlichen) Disziplinen das gleiche innige Verhältnis aufbauen könnte wie zur Kunst (Tafellack, übermalte Fotokopien auf Leinwand; 90 x 120 cm).




"Lethargisis I/IV", ohne Jahr, wohl um 1989/1990 herum. Das Bild basiert auf einem großformatigen Wiegestempel, der auf der Basis des Fotos aus meinem Bundeswehr-Dienstausweis entstand. Da ich in meinem Antrag auf Kriegsdienstverweigerung nicht mit religiösen Motiven argumentierte, wurde der Antrag abgelehnt, da ich nach Ansicht der prüfenden staatlichen Instanz aus politischen und nicht aus Gewissensgründen verweigerte. Die eineinhalb Jahre als Soldat waren für mich eine üble Erfahrung ("Er ist kein Mensch, er ist kein Tier, er ist ein Panzergrenadier!") und wie man der damals entstandenen Kunst ansieht, hat mich das Soldatenleben emotional sehr tief runtergezogen.



Grafik basierend auf dem Foto meines Bundeswehr-Dienstausweises (30 x 40 cm)




"Se ipsum" aus dem Oktober 1990, ebenfalls basierend auf meinem Dienstausweis (Ölfarbe, Acrylfarbe, Kohlestift auf Leinwand; 45 x 50 cm)




Arbeit mit dem Titel "General Tales of Human Existence - Cross No. 7" aus dem Jahr 1989, inspiriert durch Vorbilder wie Francis Bacon und Lucian Freud sowie dem Roman "Das 7. Kreuz" (Ölfarbe, Pigment, Bindemittel, Pastellkreide, Kohlestift, Letraset-Zahl, Mullbinde auf Leinwand; 90 x 120 cm)



Detail aus "General Tales of Human Existence - Cross No. 7"




Undatierte Arbeit ohne Titel aus den späten 1980ern unter dem Eindruck der damaligen kriegerischen Ereignisse entstanden und Teil meiner ersten Gruppenausstellung (Öl, Pigment, Kreide, Sand, Bindemittel auf Leinwand; 90 x 150 cm).




Arbeit ohne Titel aus dem Mai 1988; mein erstes und letztes "action painting", bei dem ich Kopf und Hände mit Ölfarbe einrieb und in die Leinwand sprang, danach dann versuchte aus den Spuren etwas im Stil meiner Vorbilder zu machen... ebenfalls Teil meiner ersten Gruppenausstellung.




"Quae est sors deorum?" (Was ist das Los der Götter?) - Grafikarbeit um 1987/1988 (Letraset-Buchstaben auf Papier; 30 x 40 cm)




Arbeit ohne Titel und Datierung aus den späten 1980ern oder frühen 1990ern, beeinflusst durch meine damaligen Vorbilder, u.a. Georgio de Chirico und Francis Bacon (Kohle, Kreide, Öl- und Acrylfarbe, Fotokopien; 110 x 140 cm).




Bild aus der verschollenen Serie "The Oligs" (die Oligarchen) aus der Mitte der 1980er-Jahre, angeregt durch die damaligen politischen Ereignisse. Ich hatte im Sommer 1987 in der Ausstellung "Englische Kunst im 20. Jahrhundert" darüber hinaus zum ersten Mal Arbeiten von Lucian Freud und vor allem Francis Bacon gesehen und besonders die Arbeiten von Bacon "nagelten mich an die Wand", wie Francesco Wilking sagen würde. Die Bekanntschaft mit dem Werk von Bacon sollte nicht nur meine Auffassung von Malerei, sondern auch noch einige andere Lebensbereiche tiefgreifend verändern und ich habe als junger Mensch ein paar Jährchen gebraucht, um mich von diesem Vorbild zu "emanzipieren" (Öl- und Acrylfarbe, Letraset-Buchstaben, Salzsäure sowie verbrannte Watte auf Leinwand; 198 x 147,5 cm).




Ein Bild aus der verschollenen Serie "Revolution" schätzungsweise ungefähr aus der gleichen Zeit - das "Draufkübeln" der roten Farbe war ein Heidenspaß (Acrylfarbe, Stacheldraht, Betonschicht auf Rupfen, ca. 120 x 80 cm).




Ein anderer meiner seinerzeitigen "Helden" war Georgio de Chirico, dessen Arbeiten ich in Stuttgart, London und Paris sehen durfte. In diesem Doppelakt aus der Mitte der 1980er-Jahre vermischten sich dann die Einflüsse meiner beiden wichtigsten Vorbilder der damaligen Zeit (Pastellkreide, Öl- und Acrylfarbe auf Rupfen; 198 x 147,5 cm).




Gleiches gilt für diesen Akt einer Art Maschinenmenschenfrau (Pastellkreide, Öl- und Acrylfarbe auf Rupfen; 198 x 147,5 cm).




Ebenfalls ein Bild aus der Mitte der 1980er-Jahre; das Farbgewitter aus Pigment im Hintergrund war für mich damals eine chemisch-technische Herausforderung. Auch der Vordergrund ähnelte sehr einem Relief, mehr kann ich nachträglich dazu leider nicht mehr sagen (Pastellkreide, Pigment, Sand, Öl- und Acrylfarbe auf Rupfen; 198 x 147,5 cm).




Arbeit für meine zweite Gruppenausstellung überhaupt Mitte der 1980er; diese und eine weitere Arbeit waren beeinflusst von einer besonders blutigen "ethnischen Säuberungsaktion", die damals durch die Medien ging. Zu welch grausamen Taten Menschen offenbar auch nach Ende des zweiten Weltkriegs noch fähig waren, hatte mich als jungen Menschen sehr verstört (Pastellkreide, Öl- und Acrylfarbe auf Rupfen; 198 x 147,5 cm).




Doppelportrait eines Freundes aus der Mitte der 1980er-Jahre, beeinflusst durch die damalige Epoche des "New Wave", dem kriegerischen Zeitgeschen sowie der Ereignisse und Folgen rund um die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl (Pastellkreide, Sand, Öl- und Acrylfarbe auf Rupfen; 198 x 147,5 cm)




Arbeit ohne Titel aus der Mitte der 1980er, entstanden im Anschluß an einen London-Besuch (Fotokopie, Ölfarbe, Pastellkreide, Pigment, Schellack, Kreide; 18 x 24 cm)




Schülerarbeit aus dem Jahr 1987, beeinflusst vor allem durch de Chirico (Acrylfarbe, Sand, Draht, Kreide auf Leinwand; 83,5 x 104 cm)



Frühe freie Schülerarbeit aus den Anfängen der 1980er-Jahre, inspiriert vom Lebensgefühl des "New Wave" (Aquarell; 21,0 x 29,7 cm).





Frühe Schülerarbeit zum Thema "Landschaft" aus Holz, Leinwand, Letraset-Buchstaben, Acrylplatte, Acrylfarbe, Metall und einem Tonziegel. Wahrscheinlich zweite Hälfte der Mitte der 1980er-Jahre. Das Thema wurde mir vorgegeben und ich fand es ziemlich ausgelutscht, es ging mir in dieser Arbeit um die Unmöglichkeit unverstellter Landschaft im Sinne einer allerorten industriell domestizierten Natur. Dass die Arbeit später sogar einmal ausgestellt werden sollte (meine erste Gruppenausstellung), hat mich damals als Teenager sehr gefreut.





Eine der ersten Arbeiten aus dem Jahre 1984 (Analoge Fotografie; 24 x 18 cm). Im Sommer bin ich als Schüler auf dem Balkon mittags eingenickt und habe die Skyline im Halbschlaf gesehen. Durch einen glücklichen Zufall gelang es mir später, die Skyline genau so zu fotografieren, wie ich sie im Halbschlaf gesehen hatte. Das führte mich zu der Entdeckung, dass es mit etwas (oder sehr viel) Glück möglich ist, die "Bilder im Kopf" eins zu eins in Kunst zu übersetzen. Keine Angst, auch ich bin bei diesem Versuch oft genug gescheitert, aber es gelang und gelingt nach wie vor dennoch recht häufig und dann freue ich mich sehr über das Ergebnis.